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Unterwegs im Donbass: Ukrainische Schwerindustrie dank russischer Rubel

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Unterwegs im Donbass: Ukrainische Schwerindustrie dank russischer Rubel

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Während in der ukrainischen Hauptstadt weiter demonstriert wird, geht im Osten des Landes vieles seinen gewohnten Gang. Die Kohle- und Stahlindustrie im Donbass gilt als wirtschaftliches Herz des Landes. Die Region ist traditionell pro russisch eingestellt, doch nicht alle lehnen eine Öffnung hin zu Europa ab. “Die Ukraine sollte sich zweifellos Europa nähern. Mir ist Europa wirklich lieber”, sagt ein Stahlarbeiter.

Als Donbass (eine Wortschöpfung aus den Begriffen “Donez” und “Bassin”) wird das Steinkohlebecken rund um Donezk bezeichnet. Die Region ist die politische Heimat von Präsident Viktor Janukowitsch und profitiert von Investitionen aus dem nahegelegenen Russland. Und so glauben hier viele, dass ein Assozierungsabkommen mit der EU ihnen weniger nützt als eine starke Verbindung zu Russland. Auch der Bürgermeister der Region sieht das so und verweist auf die Bankenbranche, wo das russische Kapital gegenwärtig sei:
“Da ist die russische Sparbank, da die russische Bank für Außenwirtschaft. Europäisches Bankkapital wandert offenbar ab und wird durch russisches ersetzt.”

Unter der Lenin-Statue in Donezk demonstriert eine kleine Menge gestärkt von den Massen in Kiew für einen pro-europäischen Kurs. Unter ihnen ist ein Geschichtslehrer. Er stellt fest, dass die Leute zu verstehen beginnen, dass die 19 Milliarden Euro der EU für konkrete Reformen gedacht waren. “Die 15 Milliarden aus Russland dagegen kommen bei denen an, die das aktuelle System stützen und das beutet sich selbst aus”, sagt er.

In der Kohle-Industrie geht die Arbeit derweil unbeeindruckt weiter. Die Züge rollen – vor allem in Richtung Russland.