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Türkischer Korruptionsskandal: Alles nur eine Verschwörung?

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Türkischer Korruptionsskandal: Alles nur eine Verschwörung?

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Die einst scheinbar unerschütterliche Macht des Recep Tayyip Erdogan bröckelt mehr denn je. Der Korruptionsskandal setzt auch den Ministerpräsidenten erheblich unter Druck – die Affäre nimmt mittlerweile Ausmaße einer Regierungskrise an.

Vor einer Woche noch, einen Tag nach den ersten Verhaftungen, teilte Erdogan verbal aus, sprach von “politischen Manipulationen” und nannte die Ermittlungen gegen Mitglieder seines Kabinetts eine “dreckige Operation”. Er wirft Justiz und Polizei vor, die Vorwürfe zwecks Schädigung der Regierung konstruiert zu haben.

Und Erdogan ließ Köpfe rollen. Leitende Polizeibeamte mussten ihre Posten räumen. Der Ministerpräsident wittert eine Verschwörung und vermutet “Schattenmächte” hinter den jüngsten Ereignissen. Namen nennt er keine, doch dass er Fethullah Gülen meint, ist offensichtlich.

Der einflussreiche Prediger lebt seit fast 15 Jahren im Exil in den USA. Ihm werden beste Kontakte in türkische Justizkreise nachgesagt, mit seinem Medien- und Bildungsimperium ist er in der alten Heimat ein Meinungsmacher. Gülen ist wie Erdogan ein Konservativer. Einst unterstützte das Netzwerk des Predigers den Ministerpräsidenten, mittlerweile stehen zahlreiche Gülen-Anhänger unter Beobachtung des türkischen Geheimdienstes. Zwischen Erdogan und Gülen tobt ein Kampf um die Macht. Der Regierungschef ließ kürzlich verlauten, Nachhilfeinstitute schließen lassen zu wollen, die in Gülens Einflussbereich liegen.

In Istanbul gingen am vergangenen Wochenende Menschen auf die Straße, um gegen Korruption zu demonstrieren. Schuhkartons wurden dabei zum Symbol. Diese bezogen sich auf die Meldung, nach der die Polizei bei einer Razzia Millionensummen in Pappschachteln gefunden haben soll. Der Ministerpräsident, so sagen seine Gegner und nun auch der zurückgetretene Umwelt- und Stadtentwicklungsminister Erdogan Bayraktar, habe von den Vorgängen gewusst.