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Der ungarische Edward Snowden

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Der ungarische Edward Snowden

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Keine Korruption, kein Steuerbetrug: Das haben Demonstranten im Zentrum von Budapest gefordert. Behörden setzen normalerweise alles daran, um Steuersünder zu erwischen. Anders in Ungarn: dort ist die Steuerbehörde anscheinend gar nicht so scharf darauf, den Betrug zu stoppen. Das brachte vor Kurzem der Ex-Steuerfahnder András Horváth ans Licht:

“In Ungarn muss der, der recherchiert und Korruption öffentlich machen will, Angst haben”, so Horváth, “nicht aber Menschen, die korrupt sind oder Steuern hinterziehen.”

Dem ungarischen Finanzamt, seinem ehemaligen Arbeitgeber, wirft Horváth vor, die Untersuchung des Falls zu verhindern. Die größten systematischen Steuersünder in Ungarn seien Großsteuerzahler und Handelsketten, so Horváth. Seit Jahren sei es im ungarischen Finanzamt üblich, großen Unternehmen Steuernachlässe zu gewährleisten. In den Betrug könnten auch internationale Firmen verwickelt sein, sagte er in einem Interview.

“Der Betrug muss untersucht und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden”, forderte ein Demonstrant. “Wir wollen unser Geld zurück.”

Bis zu 5 Milliarden Euro gehen dem ungarischen Staat inoffiziellen Schätzungen zufolge jedes Jahr durch die Lappen.

Euronews-Journalistin Andrea Hajagos berichtete aus Budapest: “Eine Milliarde Euro – so viel Steuern werden hier jährlich mindestens hinterzogen, das belegen offizielle Zahlen. Steuerbetrug ist aber kein rein ungarisches Phänomen. Deshalb hat András Horváth die Europäische Kommission um Hilfe gebeten.”