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"Alle grübeln, wo und wann es wieder passiert"

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"Alle grübeln, wo und wann es wieder passiert"

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Im euronews-Interview gibt Politikwissenschaftler Alexej Malaschenko eine Einschätzung der Anschläge von Wolgograd und spricht über mögliche Folgen. Malaschenko ist beim Carnegie-Zentrum in Moskau für Fragen der Religion, Gesellschaft und Sicherheit zuständig.

euronews:
“Wer steckt hinter den Anschlägen und was sind dessen Ziele?”

Alexej Malaschenko:
“Das weiß niemand, auch nicht der Geheimdienst FSB, weil er sich sonst zu Wort gemeldet oder zumindest Hinweise gegeben hätte, um davon abzulenken, dass er die Anschläge nicht verhindern konnte. Die Unwissenheit ist das Entscheidende bei diesen Anschlägen. Die Ziele waren zu zeigen, dass die Terroristen existieren, dass sie Macht haben und dass sie jeden treffen können – sogar den russischen Präsidenten an Silvester.”

euronews:
“Wird sich die Anschlagsserie Ihrer Meinung nach fortsetzen?”

Alexej Malaschenko:
“Das ist die Frage, die in ganz Russland am häufigsten gestellt wird, weil es zuvor eine relative Gewissheit gab, dass der Anschlag im Oktober ein Einzelfall war. Aber jetzt grübeln alle, wo und wann es wieder passiert.”

euronews:
“Welche Konsequenzen wird all das für die nähere Zukunft in Russland haben, und wie wird das die olympischen Spiele in Sotschi beeinflussen?”

Alexej Malaschenko:
“Ich glaube, dass weniger Leute zu den Spielen kommen werden als die russischen Behörden gerne wollen. Die Leute fühlen, dass sie von den Behörden nicht vor solchen Dingen geschützt werden können. Deshalb wäre niemand überrascht, wenn etwas Ähnliches – Gott bewahre – noch einmal vor Neujahr in Sankt Petersburg oder Moskau passieren sollte. Dann wäre die Wut der Leute noch größer als jetzt schon.”