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Arbeitnehmerfreizügigkeit - jetzt auch für Bulgaren und Rumänen

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Arbeitnehmerfreizügigkeit - jetzt auch für Bulgaren und Rumänen

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Ab 1. Januar 2014 gelten die Regelungen für die Arbeitsnehmer-Freizügigkeit innnerhalb der EU auch für bulgarische und rumänische Staatsbürger. Sie brauchen keine Arbeitserlaubnis mehr. Sieben Jahre haben sie seit dem Beitritt ihrer Länder zur EU darauf warten müssen. In beiden Ländern sitzen schon viele Familien auf gepackten Koffern wie die von Marioara Tranca in Bukarest. Sie will nach Großbritannien. Sie packt schon die Schulsachen für ihr Kind ein, für das sie sich vor allem mit britischer Schulbildung bessere Berufschancen verspricht. Dort könnte es sogar zur Universität gehen. Es sei einfach einfacher dort. Wenn man gut arbeite, könne man gutes Geld verdienen. Die Aussichten seien besser in England. Auch in Bulgarien betragen die Durchschnittslöhne nur ein Zehntel der britischen.
Laut Umfragen denken schon bis zu 6,7 % der arbeitsfährigen Bulgaren ans Auswandern. Es sind zuerst die qualifizierten, die sich Chancen ausrechnen. Wie der Berufskraftfahrer Biser Petrov. Auch für ihn ist Großbritannien das gelobte Land, in dem er gutes Geld für gute Arbeit erwartet. Als 2007 Bulgaren und Rumänen stolz ihre Fahnen ins Europaparlament trugen, da hatten sich wohl manche ihrer Landsleute die Zukunft einfacher vorgestellt. Ihnen fehlte die Erfahrung, dass die höheren Löhne im Westen eben auch mit höheren Lebenshaltungskosten verbunden sind. Rumänien und Bulgarien gehören noch heute zu den Ländern mit niedrigem Pro-Kopf-Einkommen weltweit. Dabei liegt die Arbeitslosigkeit in Bulgarien gar nicht so weit über jener in der Euro-Zone, in Rumänien ist sie sogar niedriger. Von den auswanderungsbereiten Bulgaren sind 70 % jünger als 30 Jahre, 74 % haben eine abgeschlossene Brufsausbildung oder einen noch höheren Abschluß. Angelockt werden sie natürlich von Erfolgsgeschichten wie jener des Grafikdisigners Rosen Jordanow. Er meint, hier kämen gut ausgebildetet Leute mit hohem Bildungsstand, das müsse niemand Angst haben vor massenhafter Armutsimmigration. In der Ruine der alten Eisfabrik in Berlin-Mitte hausten monatelang obdachlose Zuwanderer. Das Problem in Deutschalnd besteht darin, dass ganze Roma-Dörfer vorzugsweise nach Berlin umsiedeln. Der deutsche Arbeitsmarktexperte Klaus Bade bewertet die Jobchancen für Bulgaren und Rumänen insgesamt keineswegs negativ. Er sagt: “Die Gesamtzuwanderung aus Rumänien und Bulgarien besteht keineswegs zum größten Teil aus Armutszuwanderern, sondern aus Elitenwanderung. Das sind 80 % der Beschäftigten auf dem deutschen Arbeitsmarkt, 46 % davon sind qualifiziert, 22 % sind sogar hoch qualifiziert, haben einen Hochschulabschluß. “
Auch weniger qualifizierte Bulgaren und Rumänen können sich jetzt direkt bei der Arbeitsagentur bewerben. Arbeitslosengeld gibt es allerdings erst, wenn sie mehrere Monate gearbeitet und in die deutschen Sozialsysteme eingezahlt haben.