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Morde unter Häftlingen in Brasiliens Gefängnissen

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Morde unter Häftlingen in Brasiliens Gefängnissen

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Im vergangenen Jahr sollen mindestens 218 Häftlinge in brasilianischen Gefängnissen von Mithäftlingen ermordet worden sein. Das ergab eine Recherche der Zeitung “Folha de São Paulo” in 24 der 27 Bundesstaaten Brasiliens. Die Zeitung veröffentlichte Bilder aus einem von Häftlingen aufgezeichneten Video mit geköpften Leichen im Gefängnis von Pedrinhas. Die Morde sollen bei einer Meuterei am 17. Dezember begangen worden sein, bei einem Streit unter rivalisierenden Banden. Amnesty Internationale hat seit 2007 in den Gefängnissen des Bundesstaates Maranhoa, zu dem dieses Gefängnis gehört, allein 169 Mordfälle aufgelistet. Alexandre Cicinello von AI sagt: “Maranhao ist ein schlimmes Beispiel dafür, was bei Überbelegung geschieht. Aber die gibt es in allen Bundesstaaten. Ebenso die prekären Bedingungen, Aufstände und ein System, das nicht geeignet ist, die Inhaftierten zu resozialisieren.
Mit 548.000 Insassen ist das System nur noch in der Lage, ein wenig mehr als die Hälfte davon beteuen. Es fehlen 229.000 Plätze im Strafvollzug.”
Ebenso berüchtigt sind die Strafanstalten von Urso Branco im Bundesstaat Rondonia und jene von Bangu in Rio de Janeiro. Auch dort kommt es immer wieder zu Meutereien mit Todesfolge..
Die Vereinten Nationen haben in dieser Woche an die brasilianische Regierung appelliert, eine Untersuchung der von Korruption und Gewalt bestimmten Verhältnisse in den Strafanstalten einzuleiten. Der Soziologe Anderson Silva ist da pessimistisch. Er sagt: “Im internationalen Aufschrei zu diesem brasilianischen Fall steckt viel Zynismus.
Die Medien zeigen, wie Strafjustiz nicht sein dürfte.Das brasilianische Gesetz kennt keine Todesstrafe. Und wenn dem so ist, hat der Staat die Pflicht, das Leben der Häftlinge in der Haft zu bewahren.” Am 9. Januar hat das Justizministerium zwar einen Dringlichkeitsplan mit 11 Punkten verabschiedet. Darin sind Investitionen von rund 40 Millionen Euro enthalten. Um zuerst einmal die unmenschliche Enge in den Zellen zu beenden.
Es ist nicht ungewöhnlich, wenn sich in einer für 36 Häftlinge vorgesehenen Zelle 300 Männer drängen. Da sind Konflikte vorprogrammiert, die bei Schwerkriminellen schnell blutig enden.


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