Eilmeldung

Eilmeldung

Erinnerungen an Scharon als General

Sie lesen gerade:

Erinnerungen an Scharon als General

Schriftgrösse Aa Aa

Die Gemüter scheiden sich am Erbe Ariel Scharons. Von den einen wird er als “Schlächter” und “Bulldozer” bezeichnet, von den anderen politisch gepriesen. Über seine militärische Vergangenheit sprechen wir nun mit Adi Vinner. Er diente mit Scharon in der Armee. Während des Jom-Kippur-Krieges wurde er sein Kommunikationsspezialist. Wie war es denn, mit ihm zusammenzuarbeiten und zur gleichen Zeit zu dienen? Wie entscheidend war seine Rolle?

Adi Vinner, früherer Kommunikationsspezialist: “Ich habe für eine Legende gedient. Als ich die Zusammenarbeit im Krieg mit ihm begann, war er bereits eine lebende Legende. Er verwandelte die Fallschirmjägertruppe 101 in Israels erste Kommandoeinheit und feierte Erfolge als Generalmajor im Sechs-Tage-Krieg im Jahre 1967. Als ich dann mit ihm zusammenarbeitete, war er bereits eine Legende. Sein Arbeitspensum war enorm, physisch als auch psychisch. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 hat er das Blatt gewendet, als er den Suezkanal überquerte. Er handelte gegen die ausdrückliche Anweisung seiner Kommandanten. Er war die prägende Persönlichkeit in diesem Krieg.”

Euronews: Sie haben zwei Monate lang eng mit ihm zusammen gelebt. Wie war seine Beziehung zu den anderen Soldaten mit niedrigeren Dienstgraden?

Adi Vinner, früherer Kommunikationsspezialist: “Er war fast schon so etwas wie ein Vater für sie. Er ging nachts raus und schaute nach, ob die Soldaten schliefen. Er grüßte sie und aß mit ihnen. Er hatte keine besondere Unterkunft für sich. Er war sehr freundlich und kommunikativ, wie ein Teddy-Bär. So hart wie er auch war, wir haben ihn eher als einen Teddy-Bär gesehen.”

Euronews: Ich habe auch von einem berühmten Zwischenfall, den es damals gab, gehört. Daran
waren sogar Kühe beteiligt?

Adi Vinner, früherer Kommunikationsspezialist: “Das ist korrekt. Nach dem der Krieg zu Ende war, sind uns all die Kühe aufgefallen, die am Flussufer des Suezkanals rumstreunten und wir hatten einige Fleischer dabei.
Die Kühe wurden also erschossen, zubereitet und dann kam der Stabsarzt und sagte: ‘Nein, ihr könnt das Fleisch nicht anfassen. Es wurde nicht getestet. Es könnte schlecht für euch sein’ und so weiter. Das Fest schien beendet, bevor es überhaupt begonnen hatte. Jemand rannte dann zu Scharon und erzählte ihm, was passiert war. Er kam zurück mit dem Stabsarzt im Schlepptau, setzte ihn an einen Tisch, salzte das Steak und begann erst mal zu essen. Er befahl dann dem Arzt, das gleiche zu tun. Dann kamen alle dazu und es war eine großartige Feier. So eine Art Mann war er. Die Regeln spielten keine Rolle. Wenn die Soldaten essen wollten, dann bekamen sie auch ihre Mahlzeit.”

Euronews: Es heißt, dass er jemand war – und das verkörpert die Geschichte vielleicht auch, der sich nicht an die Regeln hielt. Werden Sie ihn auch so in Erinnerung behalten?

Adi Vinner, früherer Kommunikationsspezialist: “Ich denke nicht, dass er keinen Respekt für Vorschriften hatte. Er glaubte aber daran, dass die Regeln in der Realität an zweiter Stelle stehen und dass die Regeln auch nicht befolgt werden sollten, wenn sie falsch waren. Er hat nicht nach den Regeln gespielt: Deshalb hat er gewonnen. Er war ein Erfinder und eine Person, die wusste, was sie wollte. Er war zielgerichtet und alles was er wollte, war sein Ziel zu erreichen. Und das schaffte er. Die Regeln waren nicht wichtig.”