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Nahost-Friedensverhandlungen: "Die Menschen sind vorsichtig optimistisch"

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Nahost-Friedensverhandlungen: "Die Menschen sind vorsichtig optimistisch"

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Wir haben mit unserem Reporter Luis Carballo, derzeit in Tel Aviv, über die Friedensverhandlungen und die Stimmung nach dem Abschied von Ariel Scharon gesprochen.

Marta Gil, euronews: Israel hat sich mit einer staatlichen Trauerfeier von Ariel Scharon verabschiedet. International und von der israelischen Regierung gab es viele lobende Worte für den ehemaligen Ministerpräsidenten, die kontroversen Aspekte seiner Karriere wurden außer Acht gelassen. Was hält die Bevölkerung von diesen Huldigungen, die man vorsichtig als Versuch bezeichnen könnte, die Geschichte umzuschreiben?

Luis Carballo: Meiner Meinung nach geht es nicht darum, die Geschichte umzuschreiben, aber es stimmt schon, dass die Kritik an Scharon verstummt ist. Eine israelische Zeitung hat die Stimmung hier mit der Schlagzeile “The good, the bad and the ugly” (Titel eines Western-Klassikers, dt. Titel: “Zwei glorreiche Halunken, A.d.R.) ziemlich gut getroffen.

euronews: Scharons Erbe hat heute noch Auswirkungen auf die Palästinensergebiete. Nehmen wir zum Beispiel die Grenzsperranlagen im Westjordanland: Scharon galt als der große Verteidiger Israels, der den Bau der Mauer befohlen hat – eine Linie, die sich zu einer Grenze zwischen Israel und einem zukünftigen palästinensischen Staat zu entwickeln scheint. Wie wird darüber gesprochen? Wie stehen beide Seiten dazu?

Luis Carballo: Wenn es bei den aktuellen oder zukünftigen Friedensverhandlungen keine Einigung gibt, dann könnte sich die Grenze am Verlauf der Mauer orientieren, der mehr oder weniger an die sogenannte “grüne Linie” angepasst wird. Das gilt als politisch akzeptiert. Aus palästinensischer Sicht wurden durch den Bau der Mauer allerdings rund 10 Prozent der umstrittenen Gebiete im Westjordanland annektiert. Gebiete, die hinter der “grünen Linie” liegen.

euronews: Die Friedensverhandlungen wurden im vergangenen Juli in Washington wieder aufgenommen. Von den Gesprächen ist seit dem wenig nach außen gedrungen, doch dann äußerte sich der israelische Außenminister ein paar Tage vor Scharons Tod. Er sagte, dass es Zeit für ein Friedensabkommen werde. Gibt es tatsächlich Hoffnung darauf, dass es bald zu einer Einigung kommt?

Luis Carballo: Die Diskretion während der Verhandlungen könnte tatsächlich darauf hindeuten, dass es zu einer Lösung kommt. Vom Inhalt der Gespräche ist nur sehr wenig bekannt. Wir wissen jedoch, dass die amerikanischen Diplomaten beiden Seiten ein Ultimatum gestellt haben, das am 29. April ausläuft. Ich denke, die Menschen sind vorsichtig optimistisch.