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Knochenkitt aus Fettzellen

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Knochenkitt aus Fettzellen

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Ruhigstellen und abwarten, lautet bei Knochenbrüchen die Therapie. Doch nicht immer heilen Knochen von allein. Komplizierte Brüche müssen geschraubt oder geklammert werden. An einer Alternative arbeiten Forscher am Universitätsklinikum Saint-Luc im belgischen Brüssel: Knochenkleister aus körpereigenen Stammzellen. Dafür werden im Bauchbereich Fettzellen entnommen und im Labor in Knochenzellen umgewandelt. So entsteht eine dreidimensionale knochenartige Struktur, die den Bruch heilt.

Denis Drufrane vom Zentrum für Zellen- und Gewebetherapie: “Einzigartig an dieser Methode ist, dass sie die Natur nachahmt. Wir respektieren die Beschaffenheit des menschlichen Körpers. Sie kann bei jeder Art von Knochenbeschädigung eingesetzt werden. Im Kieferbereich, bei Oberschenkelhalsbrüchen, auch bei langen Knochen.”

Creost haben die Wissenschaftler den Knochenkitt aus Fettzellen getauft. Auf der Röntgenaufnahme des geheilten Knochens ist die Reparatur nicht mehr zu erkennen. Das revolutionäre Verfahren eignet sich zum Aufbau von Knochen und Gewebe. Es wurde bei einem Dutzend Testpatienten angewendet.

“Es gibt kein Abstoßungsrisiko, denn es sind körpereigene Zellen”, meint Neurochirurg Christian Raftopoulos. “Problematisch sind die derzeit damit verbundenen relativ hohen Kosten, auch die Dauer des Verfahrens. Doch es eröffnet neue Behandlungswege, allen voran in der Traumatologie, das wäre für viele Patienten von Vorteil”.

Die Stammzellen müssen derzeit drei Monate lang gezüchtet werden, bevor sie in Knochen eingepflanzt werden können. Demnächst sollen klinische Studien an bis zu 300 Testpatienten folgen.