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Verfassungsreferendum in Ägypten: Gespaltene Bevölkerung

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Verfassungsreferendum in Ägypten: Gespaltene Bevölkerung

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In ganz Ägypten haben seit Dienstagmorgen die Wahllokale geöffnet: Die rund 53 Millionen Wahlberechtigten sollen per Referendum über eine neue Verfassung abstimmen. Trotz des großen Polizeiaufgebots explodierte am Morgen eine Bombe vor einem Gerichtsgebäude in Kairo. In der Stadt gehen die Meinungen auseinander.

Eine Frau sagt, dass sie für den neuen Verfassungsentwurf ist: “Möge Gott unserem Land Ruhe bringen. Wir haben viele Menschen verloren. Möge Gott uns den Sieg bringen”, sagte sie.

“Es gefällt mir nicht, dass so viele Menschen ausgeschlossen werden”, meinte eine andere Ägypterin. “Ich habe das Gefühl, dass wir dazu gezwungen werden, diese Verfassung zu akzeptieren. Presse und Politiker sagen, dass wir mit Ja wählen sollen. Ich finde, man sollte seiner eigenen Meinung folgen.”

Wer mit Nein abstimmt, unterstützt den Terrorismus, heißt es aufseiten der staatlichen Propaganda. Kritische Wahlberichte gab es kaum, mehrere Aktivisten wurden verhaftet. Die inzwischen verbotene Muslimbruderschaft rief zum Boykott des Referendums auf.

Rechtsexperten loben, dass die neue Verfassung Bürgerrechte und die Stellung der Frau stärkt. Kritiker betonen jedoch, dass sie dem ohnehin schon mächtigen Militär noch mehr Befugnisse zuspricht.

Bis Mittwochabend können die Ägypter ihre Stimme abgeben. Allgemein wird damit gerechnet, dass eine große Mehrheit für die neue Verfassung stimmen wird.