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Mordprozess Hariri - 9 Jahre nach dem Attentat

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Mordprozess Hariri - 9 Jahre nach dem Attentat

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Neun Jahre nach seiner Ermordung ist unvergessen, was der Politiker und Geschäftsmann Rafik Hariri für sein Land getan hat. Nach dem Ende des Bürgerkrieges 1992 setzte er sein Vermögen für den Wiederaufbau ein und versuchte gleichzeitig als Politiker, die Gräben zwischen den Religionsgemeinschaften zuzuschütten. Dabei musste er immer auf die mächtigen Nachbarn in Syrien achten, mit dem jeweilig herrschenden Assad irgendwie auskommen. Fünfmal war Hariri Regierungschef. Auch von 2000 bis 2004, als der UN-Sicherheitsrat den Abzug der im Libanon stationierten syrischen Truppen und der schiitischen Hisbollah-Milizen verlangte. Als die Bombe am 14. Februar 2005 seinem Leben ein Ende machte, war er vier Monate zuvor als Ministerpräsident zurückgetreten, weil sich das sensible politische Gleichgewicht zugunsten pro-syrischer Kräfte verschoben hatte. Beobachter vermuteten, Hariri wollte bei den für Mai 2005 geplanten Wahlen wieder antreten. War das sein Todesurteil?
Das Attentat erschütterte die Libanesen nicht nur. Es rüttelte sie auch auf. Einen Monat nach dem Anschlag versammelten sich so viele Libanesen wie nie zuvor zu einer Protestaktion, bei der viele auch laut zu sagen wagten, dass sie die Attentäter beim syrischen Geheimdienst vermuten. Und tatsächlich: Die syrischen Truppen zogen ab.
Nachdem sie mehr als 30 Jahre lang als Militärmacht im Nachbarland geherrscht hatten.
Es war, als würde sich hiermit Hariris Vermächtnis doch noch erfüllen. Frieden im Land der Zedern, das einstmals als die “Schweiz des Nahen Ostens” gepriesen wurde, gab es trotzdem nicht. Die Machtbalance zwischen drei Religionen führt nach wie vor zu Konflikten. Zumal dieses Konstrukt ausländische Mächte geradezu zur Einmischung einläd. Die Attentate haben nie aufgehört. Und kurz vor Prozessbeginn wird verstärkt gebombt. Die Hisbollah unterstützt längst offen Assad im syrischen Bürgerkrieg. Und die mutmaßlichen Hariri-Attentäter wurden nie gefasst. Verhandelt wird in Den Haag gegen Angeklagte in Abwesenheit.
So hat der Prozess eher symbolischen Wert.
Politik-Analyst Rami Khouri glaubt auch nicht, dass der Gerichtshof in irgend einer Weise die politischen Morde stoppen könne. Schließlich gehe das schon seit Jahrzehnten so und werde wohl so weitergehen. Die Frage könne nur lauten: “Wir der Prozess vor diesem Gerichtshof Politik und Polizei im Libanon zu mehr Autorität verhelfen? Wird er sie stärken in ihrer Entschlossenheit zum Handeln, um innere Angelegenheiten endlich im Libanon zu regeln?
Besonders groß ist diese Hoffnung aber nicht.
Neun Jahre nach dem Mord an Hariri ist der Libanon längst in den syrischen Bürgerkrieg hineingezogen, in dem auch alle religiösen Gruppen gegeneinander kämpfen, die im Libanon immer mal wieder friedliches Miteinander geübt hatten.