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Ukraine: Warum der Wendepunkt zur Gewalt?

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Ukraine: Warum der Wendepunkt zur Gewalt?

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Die Massenproteste in der Ukraine haben sich jüngst immer mehr aufgeheizt, in Kiew entlädt sich die Gewalt. Nach den bisher blutigsten Straßenschlachten hat Euronews-Journalistin Maria Jeschtschenko mit Korrespondentin Angelina Kariakina in Kiew über die Ursachen der Gewalt gesprochen.

Maria Jeschtschenko: Angelina, während der vergangenen 24 Stunden hat sich das Klima der Proteste in Kiew verändert, die Demonstranten wurden gewaltbereiter, einige starteten Angriffe. War dieser Wendepunkt zu erwarten?

Angelina Kariakina: Niemand konnte ahnen, dass sich die Proteste in diese Richtung entwickeln würden, niemand hatte gewalttätige Zusammenstöße mit der Polizei erwartet. Es scheint, als wäre das, was passiert ist, nicht geplant gewesen. Die Initiatoren der gewalttätigen Auseinandersetzungen waren radikale Demonstranten, doch auch friedlich protestierende Menschen gaben später zu, dass sie – zumindest in Gedanken – diese neue Stimmung begrüßen. Grund dafür ist offenbar, dass nach zweimonatigen Protesten keine ihrer Forderungen erfüllt wurde.

Maria Jeschtschenko: Die Euromaidan-Bewegung hat die ukrainische Opposition unter Druck gesetzt, sich auf einen Chef zu einigen. Ist es Vitali Klitschko, nachdem er versucht hat, die Lage wieder zu beruhigen?

Angelina Kariakina: Was am vergangenen Abend passiert ist, war sehr unerwartet: Klitschko sagte, er würde zu Janukowitsch gehen, um mit ihm zu diskutieren. Es ist schwer zu sagen, ob die Euromaidan-Demonstranten Klitschko als Oppositionsführer sehen. Einige Demonstranten sagten, sie würden Klitschko als Leitfigur anerkennen, andere wollten lieber keine Namen nennen.

Maria Jeschtschenko: Viele Medien berichten über die Vorfälle in Kiew. Einige Journalisten sagten, dass sie zur Zielscheibe der Polizei geworden sind. Gab es dazu eine Reaktion des Innenministeriums?

Angelina Kariakina: Wir haben die Pressestelle des Ministeriums kontaktiert. Dort sagte man uns, dass es keine gezielten Angriffe auf Journalisten gegeben habe. Einige Medienvertreter sollen versehentlich von Gummigeschossen getroffen worden sein, weil sie sich zu nah am Zentrum der Proteste aufgehalten hätten. Es gibt jedoch zahlreiche Videos und Journalisten, die dem widersprechen. Viele Reporter sagen, dass sie gezielt angegriffen wurden, sie glauben nicht, dass es ein Zufall war.