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BRICS-Staaten im Fokus beim Wirtschaftsforum in Davos

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BRICS-Staaten im Fokus beim Wirtschaftsforum in Davos

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Die BRICS-Staaten haben in den vergangenen Jahren einen Hype erlebt, aber dieser scheint nun zu verschwinden. In dieser Spezialausgabe vom Weltwirtschaftsforum in Davos werfen wir einen Blick auf die BRICS-Staaten. Wie robust sind diese Länder, wie hat sich der Konjunkturrückgang ausgewirkt und wer könnte ihren Platz einnehmen?

Die BRICS-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika haben ein turbulentes Jahr hinter sich und auch 2014 wird eine Herausforderung für diese Länder darstellen.

In Davos wird viel darüber diskutiert, welches der Schwellenländer die größten Fortschritte machen wird. Euronews-Reporterin Sarah Chapell: “Einige sagen voraus, dass 2014 die BRICS-Staaten mehr Platz für Neulinge wie Mexiko, Indonesien, Nigeria und die Türkei machen werden – auch bekannt als MINT-Staaten.”

Aber in beiden Gruppen von Schwellenländern gibt es einige Staaten, die sehr anfällig sind, erklärt der stellvertretende geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds Min Zhu. “Die Länder, die derzeit große Defizite haben, sind zu sehr von ausländischem Kapital abhängig, und diese Länder haben hohe Inflationsraten. Das bedeutet, dass die heimische Wirtschaft überhitzt ist. Für diese Länder ist es sehr wichtig, Strukturreformen durchzuführen. Sie müssen einen finanziellen Spielraum wiederherstellen und ihre Geldpolitik anziehen.”

Brasilien und Indien sowie Indonesien und die Türkei nehmen ihre großen Defizite in Angriff. Auch wenn die globale Wirtschaft sich 2014 Prognosen zufolge erholen wird, gehen die Meinung auseinander, was das Jahr für die Schwellenländer bringt.

Euronews-Reporterin Isabelle Kumar: Die Autoindustrie gilt als Schlüsselindikator, wenn es um die Gesundheit der Weltwirtschaft geht. Wenn die Aussichten gut sind, kaufen die Menschen Autos. Ich spreche mit Carlos Ghosn, einem Superstar der Autoindustrie. Er ist der Vorstandsvorsitzende der Renault-Nissan Allianz.

euronews: Carlos Ghosn vielen Dank für ihre Zeit. Ihr Imperium erstreckt sich über den ganzen Globus. Wo sehen Sie 2014 die größten Wachstumsgebiete im Automarkt?

Carlos Ghosn:“Ohne Zweifel in China.”

euronews: Sie treten 2016 in den chinesischen Markt ein. Bereuen Sie, dass dies erst so spät geschieht?

Carlos Ghosn: “ Wir sind ja bereits in China aktiv. Nissan ist mit rund sieben Prozent Marktanteil der größte japanische Autobauer in China. Renault hat angekündigt, in Chinas Autos zu bauen. Uns ist der Markt bekannt und wir sind sehr optimistisch, was die Perspektiven betrifft. Im Fall von Renault beginnt die Produktion 2016. Wir glauben, dass der Autobauer das Potential hat, im ersten Schritt mindestens 3,5 Prozent Marktanteil in China zu erreichen. Warum 3,5 Prozent? Weil das der Marktanteil ist, den Renault global betrachtet hat.

euronews: Macht Ihnen die Verlangsamung der Wirtschaft in China Sorgen?

Carlos Ghosn: “Nicht so sehr. Ich sehe das für 2014 auch nicht kommen. In den vergangenen zehn Jahren haben die Analysten jedes Jahr Sorgen gehabt, dass sich die Wirtschaft in China abkühlen könnte. Das ist nie eingetreten. Das Potential des chinesischen Marktes liegt vor uns. Für mehr als 90 Prozent der Menschen, die im vergangenen Jahr ein Auto erworben haben, war das ein Erstkauf. Das heißt, der chinesische Markt wird von vielen Menschen genährt, die zum ersten Mal ein Auto kaufen.”

euronews: Glauben Sie China spielt in einer eigenen Liga, denn wenn wir von Einsparungen sprechen, scheint sich das Land eher davon wegzubewegen.

Carlos Ghosn: “China hat ein viel höheres Wachstum als der Durchschnitt der BRICKS-Staaten. Das Land hat die höchste Wachstumsrate. Was die Investitionen in die Infrastruktur, in die Ausbildung betrifft, macht China einen tollen Job, denn das sind ja die wichtigsten Elemente für Wirtschaftswachstum. Russland, Brasilien und Indien versuchen im Moment, ihre Investionen in die Infrastruktur und Bildung aufzupeppen, um das Wachstumslevel aufzuholen, dass sie brauchen.”

euronews: Wir hören von MINT-Staaten, Mexiko, Indonesien, Nigeria, und der Türkei – was macht Renault-Nissan da?

Carlos Ghosn: “Das steht an. Wissen Sie, in Mexiko ist Nissan der Autobauer Nummer eins. Renault verkauft sich. Renault ist eine große Nummer in der Türkei. Dies ist einer unserer größten Märkte. Wir haben gemeinsame Investitionen mit der Produktionsstätte in der indischen Stadt Chennai. Da stellen wir 400.000 Autos pro Jahr her und wir interessieren uns auch sehr für Afrika. Damit will ich Ihnen sagen, dass es kein Land gibt, das von uns versäumt wurde. Wir sind der Meinung, dass viele Länder besonders mit dem Fokus auf Afrika neue Möglichkeiten für die Autoindustrie bieten.”

euronews: Was ist mit Europa?

Carlos Ghosn: “Europa kommt langsam zurück. Fünf Jahre lang brach der Europäische Markt mehr als 25 Prozent ein. Wir haben zum ersten Mal wieder eine positive Prognose in Europa für 2014. Sie ist nicht sehr hoch, ein Prozent – nach einem Absturz von 25 Prozent. Aber es ist gut zu sehen, dass ein Wendepunkt im europäischen Markt erreicht ist. Europa wird in der Autoindustrie ein langsames Wachstum sehen, dank des bleibenden Verbrauchervertrauens. Ich bin also vorsichtig optimistisch, was die Perspektiven des europäischen Marktes betrifft, aber es wird nicht schnell gehen. Es wird keine signifikanten Änderungen in den nächsten zwei, drei Jahren geben.”

euronews: Können Sie uns eine Prognose für 2014 abgeben. Worauf sollten wir uns vorbereiten?

Carlos Ghosn: “Ich denke, es wird ein Jahr der Erholung werden. So würde ich das beschreiben. Erholung in Europa, in Japan, in einigen Schwellenmärkten, die 2013 kein gutes Jahr hatten, wie zum Beispiel Brasilien, Russland und Indien, wo der Automarkt zusammengebrochen ist. Die USA werden sich erholen, der Automarkt wird sich weiter erholen, um wieder das Niveau vor 2013 zu erreichen.”

Carlos Ghosn wird für seine Führungsqualitäten gelobt und beim Weltwirtschaftsforum wird diskutiert, was die wichtigsten Bestandteile für einen guten Führungsstil sind. Wir haben mit einigen Machern darüber gesprochen.

Ein Manager erklärt: “Die Fähigkeit zur Zusammenarbeit – denn die Dinge ändern sich so schnell.”

Eine andere Managerin sagte: “Den größeren Rahmen zu sehen – es ist wichtig, dass die Menschen in ihren eigenen Garten schauen, aber auch über den Zaun hinaus.”

Ein weiterer Manager unterstreicht: “Die kulturelle Wendigkeit, denn in der Welt von morgen wird es sehr wichtig sein, mit verschiedenen Kulturen umzugehen und diese zu integrieren.”

Der Firmenchef von Heidrick and Struggles – einer führenden Headhunterfirma sagt, die besten Macher von morgen müssen alle über eine Qualität verfügen. Er nennt sie “Globalität”. Jory Marino: “Ein Weltbürger, der in der Lage ist, problemlos in verschiedenen Kulturen zu arbeiten und effektiv auf allen Ebenen einer Organisation tätig zu sein, sind der Schlüssel zu Führungsqualitäten, die wir suchen.”

Jedes Jahr ist das Weltwirtschaftsforum in Davos eine einzigartige Möglichkeit für Wirtschaftslenker, sich zu treffen und auch für diejenigen, die auf dem Weg zur Spitze sind.