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Europas künstlerische Identität

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Europas künstlerische Identität

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Wie steht es um die europäische Identität in Krisenzeiten? Die Antwort könnten wir auf einer Theaterbühne finden. “In diesem Stück geht es um Einsamkeit. Wenn wir uns zu anderen Orten aufmachen, reden wir uns ein, dass dort alles besser wird. Doch plötzlich wird uns bewusst, dass wir allein sind und wir klammern uns an fremde Menschen”, sagt die Ungarin Katalin Szilagyi.

Das Stück heißt Ungarn – benannt also nach jenem Land, das die Protagonisten verlassen, um woanders in Europa ihr Glück zu suchen. Das beinhaltet auch, dass sie sich ausführlich mit ihrer eigenen Kultur auseinandersetzen. Szilagyi meint: “Wenn ich ein Bild zerstöre, wenn ich eine Skulptur kaputt mache, ist das ein Verbrechen und dann bekomme ich eine Strafe. Kultur hat einen Wert, der nicht greifbar ist, Kultur spielt sich zwischen dir und mir ab.”

Wohin geht Europas Reise in Krisenzeiten? Im Rahmen des Projektes “One Land, Many Faces” besucht eine Künstlergruppe verschiedene Länder und trifft sich mit anderen Künstlern, um über Europa zu sprechen. In Budapest mit dabei ist Jean Bofane, ein Schriftsteller aus dem Kongo, der in Belgien lebt. “Ich persönlich habe ein Gefühl wie Patriotismus oder Identität nicht”, sagt er. “Der Begriff der europäischen Identität ist vage, aber wir bemühen uns, an einer solchen Identität zu arbeiten oder besser gesagt: sie zu suchen. Deshalb bringen wir Künstler zusammen. Denn bislang waren es immer nur die Politiker, die sich zu diesem Thema geäußert haben”, sagt Bofane.

Die Künstler suchen und finden Inspiration für ein Theaterstück, in dem es um genau das, eine europäische Identität geht. Am Ende des Jahres soll das Werk stehen. Jeder bringt seine ganz eigene Geschichte ein. “Ich als Afrikaner mache eine Metamorphose durch, und ich habe das Gefühl, dass das auch für Europa gilt”, so Bofane. “Es gibt hier einige Vorbehalte und Widerstände Europa und dem Wandel der Leute gegenüber, die von außen kommen und dieses Europa mitgestalten wollen.”

Ein Thema, das auch Valencia James nicht unbekannt ist. Die Tänzerin kommt von der Karibikinsel Barbados und lebt seit sieben Jahren in Ungarn. “Als ich herkam, habe ich erst mal einen Schock bekommen: wegen der Sprache und der Kultur, die verschlossener ist, als ich mir zuerst vorstellen konnte”, sagt sie. “Ich hatte viele Vorurteile gegen die europäischen Länder und die Europäische Union. Es gibt eine große Vielfalt: Verschiedene Kulturen und Sprachen. Ich glaube, diese Vielfalt macht die europäische Identität aus”, so Valencia James weiter.

Der Regisseur Martin Boross stellte im Rahmen des Projekts eine künstlerische Performance vor, die von einer Studentenrevolution erzählt und somit als Metapher für ein neues Kräfteverhältnis verstanden werden kann. “Es geht um Führung und Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich selbst steuern und kontrollieren will”, sagt Boross.

“Genau in dem Moment, in dem nicht mehr gemeinsam gedacht wird, hören die Menschen auf, tolerant zu sein. Sie kümmern sich nicht mehr mehr umeinander, und das lässt die Probleme noch größer werden”, sagt Szilagyi.

Und Bofane meint: “Vielleicht braucht es Künstler, um gewisse Empfindsamkeiten wieder hervorzuheben, um zu erkennen, was in den Herzen der Menschen vorgeht, was ihre Wünsche und ihre Ambitionen für dieses Europa sind.”

Generation Y geht weiter: Natürlich auch in den sozialen Netzwerken…