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Netzhautprothese lässt Blinde wieder sehen


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Netzhautprothese lässt Blinde wieder sehen

Nach Jahren der Dunkelheit entdeckt eine blinde Patientin zum ersten Mal wieder Schatten, Formen und Licht, mithilfe einer Netzhautprothese und einer Miniaturkamera in der Brille. Das sogenannte bionische Auge kann Patienten mit einer angeborenen, schweren Netzhauterkrankung funktionale Sehkraft zurückgeben.

Mit zum Teil beeindruckenden Verbesserungen: “Ich hatte das Gefühl, Volumen wahrzunehmen, ja, genau das sieht man. Man hat das Gefühl, da ist etwas, das man nicht sieht, sondern wirklich wahrnimmt”, berichtet ein anderer Testpatient.

Entwickelt wurde das System von der Firma Second Sight. Grégoire Cosendai, Leiter der europäischen Niederlassung in Lausanne, erklärt, wie die Netzhautprothese funktioniert.
“Der Patient trägt eine Brille mit Kamera, die die Bilder erfasst. Diese werden von einem Minicomputer verarbeitet und an das Implantat gesendet. Dort erfolgt eine erneute Stimulierung der Netzhaut, die beim Patienten zu einer Wiederherstellung des funktionellen Sehvermögens führt.”

Das Implantat wird unter Vollnarkose in das Auge eingesetzt. Zuvor wurden ausführliche Tests mit den Patienten durchgeführt, um zu prüfen, ob er für die Implantation in Betracht kommt. Für die Chirurgen wie hier an der Augenklinik in Lausanne ein Routineeingriff, erklärt der Arzt Thomas Wolfensberger.

“Während der Operation werden Glaskörper und Linse geöffnet, um das Implantat einzusetzen. Das ist ein ganz normaler, fast täglicher Eingriff, hier bei uns. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ein Mikrochip implantiert wird, was ein paar zusätzliche Gesten erfordert.Insofern ist diese Technologie ein enormer Fortschritt. Chirurgie allein reicht nicht aus, um diese Patienten zu heilen.”

Nach der Operation wird der Patient über einen längeren Zeitraum augenärztlich begleitet, um sicherzustellen, dass er sich an das System gewöhnt und es nicht zu Nebenwirkungen kommt.
In weiteren Kontrollen wird das System immer wieder überprüft und gegebenenfalls angepasst. Ganz entscheidend für den Erfolg ist das Training mit einer therapeutischen Fachkraft, wie die Orthoptistin Fatima Anaflous.

“Wir passen uns an die Bedürfnisse des Patienten an. Indem wir zum Beispiel gemeinsam spazieren gehen. Das klingt simpel, aber ermöglicht dem Patienten, sich auf entspannte Weise mit den neuen Informationen zu befassen und sie besser zu verstehen. Wir erklären ihnen Schritt für Schritt, was um sie herum geschieht.”

Das Sehvermögen, das durch die Netzhautprothese wiederhergestellt werden kann, entspricht keinesfalls der Sehfähigkeit, die vor der Erblindung bestand.
Für blinde Patienten kann jedoch diese Aussicht bereits eine wichtige Steigerung ihrer Lebensqualität bedeuten.

Nach klinischen Vorstudien in den USA und Europa erhielt die Retinaprothese die Zulassung auf dem europäischen Markt und wird bereits in mehreren deutschen Augenkliniken angewendet.

Die Behandlung ist mit Kosten in Höhe von 90 Tausend Euro verbunden. In Deutschland werden Implantat, Operation und Trainingsprogramm von der Krankenversicherung übernommen.

Weitere Forschungsprojekte in unterschiedlichen Entwicklungsphasen beschäftigen sich ebenfalls mit der Herstellung und Vermarktung von Retinaprothesen. Im vergangenen Juli wurde in Deutschland ein weiteres Implantat der Firma Retina Implant AG zugelassen.

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