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"Das schöne Wachstum in der Türkei ist sehr, sehr gefährdet"

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"Das schöne Wachstum in der Türkei ist sehr, sehr gefährdet"

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Die massive Leitzinserhöhung in der
Türkei hat zu einer deutlicher Entspannung an
den Finanzmärkten vieler Schwellenländer geführt – für ein paar Stunden. Die anfängliche
Euphorie ließ dann rasch wieder nach.

Erst legte die Lira um sieben Prozent zum Dollar zu, der größte Sprung seit gut fünf Jahren. Tags darauf testete der Dollar wieder Kurse von vor der Verdopplung des Leitzinses.

Dem Mann auf der Straße ist das Ganze nicht geheuer. Mehmet Ali Dogan:

“Das hat negative Folgen für die Menschen in der Türkei, fürchte ich. Mit den Zinsen ist die Inflationsprognose stark gestiegen. Was die da tun, ist ganz verkehrt und nur im Interesse der Politik.”

Die Lira war seit Wochen gefallen. Die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan ist wegen eines Korruptionsskandals angeschlagen. Das Land ist wegen hoher Handelsdefizite vom Zufluss ausländischen Kapitals abhängig – bei relativ hoher Inflation:
7,4 Prozent.

Robert Halver, Baader Bank, Frankfurt:

“Was die Türken hier machen, in Gestalt ihrer Notenbank, ist sehr gefährlich. Die Notenbankzinsen mehr als zu verdoppeln von 4,5 auf 10 Prozent, kann die Wirtschaft massiv schädigen. Damit ist der Währungsverfall zunächst gestoppt, aber jetzt werden weniger Kredite gegeben. Das schöne Wachstum in der Türkei ist sehr, sehr gefährdet.”

Kritiker werfen der türkischen Zentralbank vor, aus Rücksicht auf die Konjunktur viel zu lange mit dem Zinsbeschluss gewartet zu haben. Dann sei er womöglich überpropotioniert ausgefallen, um die eigene Unabhängigkeit zu beweisen – “ich bin gegen eine Zinserhöhung”, hatte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan noch kurz vor der Krisensitzung der Zentralbank öffentlich gesagt.

su mit Reuters