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Ost-West-"Handelskrieg" um Moldawiens Winzer

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Ost-West-"Handelskrieg" um Moldawiens Winzer

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Im September hat Russland ein Weinembargo gegen Moldawien verhängt. Das Land ist seit 1991 eine unabhängige Republik und gehörte zuvor zur Sowjetunion.

Moldawien ist einer der ärmsten Staaten Europas, mit einem Bruttoinlandsprodukt von weniger als 2.000 Dollar pro Kopf. Das Land exportiert vor allem Nahrungs- und Genussmittel – besonders Wein -Textilien und Maschinen. Ein Viertel der Bevölkerung lebt im Ausland. Von dort überweisen die Emigranten Geld nach Moldawien, in der Summe mehr als dessen Wirtschaftsleistung.

Es ist das zweite russische Weinembargo seit 2006, offizielle Begründung: Qualitätsmängel.

Bislang kostete der Einfuhrstopp die moldawischen Winzer 20 Millionen Dollar, aufs Jahr gerechnet wohl 40 Millionen Dollar. Das Embargo von 2006 soll fast acht mal so viel gekostet haben.

Victor Bostan, CEO Vinaria Purcari:

“Ich habe 2006 durch das Embargo zehn Millionen Dollar verloren, jetzt eine Million.”

Doch seine Winzerei Purcari schreibt trotzdem Gewinne. Vor 2006 gingen nämlich 80 Prozent des moldawischen Weins nach Russland, jetzt nur noch 20 Prozent. Die Embargo-Verluste macht Purcari wett durch Exporte in die Europäische Union.

EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Ciolos:

“Die Europäische Union hat den Markt vollständig für moldawischen Wein geöffnet, der nun ohne Mengenbeschränkung und ohne Einfuhrzölle bei uns verkauft werden kann.”

Die Europäische Union vermutet hinter dem Einfuhrstopp eine Strafaktion und handelte innerhalb weniger Wochen. Moldawien hatte unlängst ein Partnerschaftsabkommen mit der EU vereinbart.

Victor Bostan, CEO Vinaria Purcari:

“Die Europäische Investitionsbank hat Moldowien ein ausserordentlich großzügiges Angebot gemacht: Den moldawischen Weinbauern stehen nun 75 Millionen Euro Billigkredite zur Modernisierung der Produktion zur Verfügung.”

Im September könnte ein euro-moldawisches Freihandelsabkommen in Kraft treten. Während sieben Jahren Übergangsfrist sollen Moldawiens Landwirte wettbewerbsfähig werden.

“Es kann unterschiedliche Interpretationen und Missverständnisse unserer Partnerschaftsabkommen geben”, gab EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy beim jüngsten beim EU-Russland-Gipfel zu. Die Vereinbarungen mit Staaten wie Moldau, Georgien oder der Ukraine seien aber mit den bestehenden Handelsabkommen mit Russland “voll vereinbar”.

Dazu Russlands Präsident Wladimir Putin: “Wir verstehen die Dinge nicht immer in derselben Weise wie die Europäer”.

Russland bemüht sich seit Jahren um die Schaffung einer Zollunion mit früheren Sowjetrepubliken. Dabei sollen Handelsbarrieren fallen.