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Es fehlt bezahlbarer Wohnraum in Frankreich

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Es fehlt bezahlbarer Wohnraum in Frankreich

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“Mes amis, au secours…Une femme vient de mourir gelée. Il faut que ce soir même, dans toutes les villes de France, des pancartes s’accrochent sous une lumière dans la nuit où l’on lise ces simples mots : “Toi qui souffres, qui que tu sois, entre, dors, mange, reprends espoir, ici on t’aime”.
60 Jahre ist dieser Hilfsaufruf her. Der Winter 1954 war in Frankreich besonders eisig. Ein Kapuzinerpriester schaffte es, die in warmen Stuben lebenden Landsleute aufzurütteln. Abbé Pierre, der unter diesem Decknamen in den Jahren der nazi-deutschen Besatzung Juden gerettet hatte, rettete zehn Jahre nach der Befreiung die Ärmsten vor dem Kältetod. Schon Jahre zuvor hatte er die Hilfsorganisation Emmaus gegründet. Aus der Kältehilfe erwuchs Mitte der 50er Jahre in Frankreich ein staatliches Programm für sozialen Wohnungsbau. Reichlich kritisiert, weil es zur Ghettobildung in den Vororten führte. Seither hat jede Regierung Besserung versprochen, ohne dass sich Grundlegendes an der Wohnungsnot der schlechter oder gar nichts Verdienenden geändert hätte. So ist von 2001 bis 2013 in Frankreich die Zahl der unter prekären Wohnverhältnissen Leidenden um 50 % gestiegen. Aktuell sind 3,6 Millionen Menschen betroffen. Nach offiziellen Angaben leben in Frankreich 141.000 Menschen auf der Straße und 2,8 Millionen unter menschenunwürdigen Wohnverhältnissen. Auch in anderen großen Städten Europas hat die Krise immer mehr Menschen in die Obdachlosigkeit getrieben. Im EU-Durchschnitt sind 24 % der Bevölkerung von Armut und Ausgrenzung bedroht,
das gilt für 27 % aller Kinder und für 20,5 % der Älteren über 65. Als besonderes Problem werden in Frankreich seit dem EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien die Lebensverhältnisse der von dort stammenden Roma gesehen. Französische Medien benutzen dafür gern das Wort vom “fahrenden Volk”, zu dem in Frankreich gut 50.000 Menschen gerechnet werden. Wo in der EU die Krise am schlimmsten zuschlägt, da sind auch die OIbdachlosenzahlen am höchsten. Der Anstieg in Griechenland kann da nicht verwundern. 60 Jahre nach der Notaktion des Abbé Pierre hat Wohnungsnot für die gegenwärtige linke Regierung keine Priorität. Zwar hatte der Präsident im Wahlkampf mehr sozialen Wohungsbau versprochen. Aber inzwischen erscheinen andere Probleme wichtiger.