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Richter verurteilen Amanda Knox zu 28 Jahren Haft


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Richter verurteilen Amanda Knox zu 28 Jahren Haft

Nach elf Stunden Beratung hat das Berufungsgericht in Florenz eine Entscheidung gefällt: Amanda Knox und Raffaele Sollecito wurden in Abwesenheit wegen Mordes zu langen Haftstrafen verurteilt. Die US-Amerikanerin Knox soll achtundzwanzigeinhalb Jahre, ihr italienischer Ex-Freund Sollecito 25 Jahre ins Gefängnis.

Die Familie der ermordeten Meredith Kercher war bei der Urteilsverlesung im Gericht. Sie sagten, sie seien zufrieden, dass die italienische Justiz den Fall erneut untersucht habe.

Kercher wurde 2007 tot in ihrer Wohnung in Perugia aufgefunden. Die Leiche der Britin war zum Teil entkleidet und mit Messerstichen übersät. Knox war damals ihre Mitbewohnerin. Nach Ansicht des Staatsanwaltes wurde Kercher bei einem eskalierten Streit über die verschmutzte Toilette der Wohnung getötet.

Deren Anwalt Luciano Ghirga hatte stets auf unschuldig plädiert. Er will das Urteil anfechten: “Für diejenigen, die wie ich von Amandas Unschuld überzeugt sind, ist das ein schwerer Schlag. Urteile müssen respektiert werden, aber wir können in Berufung gehen und genau das werden wir auch tun.”

Auch die Anwältin von Raffeale Sollecito äußerte sich nach der Urteilsverkündung: “Wir wurden auf eine langwierige Geduldsprobe mit Freisprüchen und Verurteilungen gestellt. Dieses juristische Ping-Pong-Spiel hinterlässt Raffaele sprachlos.”

Der Schuldspruch vom Donnerstag war das vierte Urteil über sechs Jahre nach dem Mord. Knox und Sollecite wurden kurz nach der Tat verhaftet und 2009 verurteilt. Sie kamen nach zwei Jahren in Haft frei. Die DNA-Tests, die zu ihrer Verurteilung geführt hatten, galten als unzuverlässig. 2013 kippte das höchste Gericht Italiens den Freispruch von 2011. Im neuen Prozess wurden weitere DNA-Tests durchgeführt.

Amanda Knox ist nach dem Freispruch wieder in die USA zurückgekehrt, wo sie sich noch heute wohnt. Es gilt als unwahrscheinlich, dass sie zum jetztigen Zeitpunkt ausgeliefert wird.

Für die Tat endgültig verurteilt wurde bislang nur der Ivorer Rudy
Guede, der wegen Beihilfe zum Mord in einem anderen Prozess 16 Jahre Haft bekam. Die Richter hatten in ihrem Urteil für Guede jedoch ausdrücklich betont, er könne nicht alleine gehandelt haben. Knox und Sollecito galten von Anfang an als Hauptverdächtige.

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