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Ägyptische Polizei gegen Al-Dschasira

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Ägyptische Polizei gegen Al-Dschasira

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Die Geste des Moderators sollte besagen: “Was jetzt kommt, stammt nicht von mir”. Dann lief gestern abend im privaten Kairoer Sender “Al Tahrir” ein 22 Minuten langes Amateur-Video – mit dramatischer Musik unterlegt wie ein Fernsehkrimi.
Aufgenommen am 29. Dezember in einer Kairoer Hotelsuite. Der Inhalt: Die Festnahme von Journalisten von Al-Dschasira. Darunter Mohammed Fahmy, Bürochef von Al-Dschasira in Ägypten, und der Australier Peter Greste, der früher für die BBC gearbeitet hat. Man hörte, wie Greste, nach Erklärungen und nach einem Übersetzer verlangte. Dann kamen Papiere und Kameras ins Bild. Die normalen Arbeitsmaterialien von Fernsehjournalisten, sollte man meinen. Die ägyptischen Ermittler sahen das offensichtlich anders. Acht Al-Dschasira-Mitarbeiter, darunter der Australier, sitzen seither in Untersuchungshaft.
Insgesamt 20 Mitarbeitern des Kairoer Büros von Al-Dschasira wird “Unterstützung der verbotenen Muslim-Bruderschaft” vorgeworfen. Der Sender mit Sitz in Doha im Emirat Katar weist die Anschuldigungen als “absurd” zurück und verlangt die Freilassung seiner Leute. Von den ägyptischen Ermittlern werden die Al-Dschasira-Leute wie ein Geheimbund “die Mariott-Zelle” genannt. Laut Büroleiter Fahmy hatten sie sich im Hotel provisorische Arbeitsräume eingerichtet, nachdem im Juli unmittelbar nach dem Sturz vom Präsident Mohammed Mursi die Militärbehörden ihr Büro in Kairo geschlossen hatten. Seit die Militärs die Macht übernommen haben, hat Al-Dschasira Ärger in Ägypten. Zuerst wurde dem Sender vorgeworfen, “das Bild Ägyptens im Ausland zu verzerren”. Dann folgten die Behauptungen, die Al-Dschasira-Leute würden der Muslim-Bruderschaft angehören, sie mit Ausrüstung und Informationen unterstützt und somit einer verbotenen terroristischen Organisation Schützenhilfe geleistet zu haben. In der Sache meldet sich Sherif Mansour vom “Komitee zum Schutz von Journalisten im Nahen Osten und in Nordafrika” zu Wort. So etwas habe man noch nie gesehen, dass ein international berichtender TV-Sender mit Terrorismus in Verbindung gebracht werde. Wörtlich: “Den Journalisten wird vorgeworfen, was Grundlage ihres Berufes ist: Dass sie eine Meinung haben zu dem, worüber sie berichten. Ein Unding, sie dafür ins Gefängnis zu stecken.
Al-Dschasira wird als Sprachrohr des Staates Katar angesehen, und dem werfen die in Ägypten herrschenden Militärs vor, die islamistische Muslim-Bruderschaft zu unterstützen.