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Die Radikalen auf dem Maidan

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Die Radikalen auf dem Maidan

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Die angehohlten Häuser, die Männer mit Stahlhelm davor,das hier ist nicht Kiew am Ende des II. Weltkrieges. Die Bilder sind aktuell, “brand”-aktuell, muss man leider sagen. Denn je länger sich die ungelöste Krise in der Ukraine hinzieht, um so radikaler werden die Auseinandersetzungen. Um so mehr wächst der Einfluß von radikalen Kräften.

Sie nennen sich selbst die “Speerspitze des radikalen Protestes. Unter dem Sammelbegriff “Sektor Recht” haben sich diverse radikale Gruppen auf dem Maidan gefunden.

Ultranationalisten sind dabei, Aktivisten, bei denen der pure Russenhass dominiert, auch solche, die sich nicht unbedingt in die EU sehnen, auch wenn die Proteste hier im November aus der Enttäuschung über das vom Präsidenten abgesagte Assoziierungsabkommen mit der EU heraus entstanden. Für den Sprecher Andreij Tarassenko ist das “Russische Reich” die größte Bedrohung für die Ukraine. Und die EU betrachtet er als eine “imperiale Formation”, die die Nationen negiert und mit ihrem Liberalismus den Europäer das Christentum nehmen will.

Eine Woche vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Sotschi haben die Führer des “Sektors Recht” erklärt, sie werden einen “Waffenstillstand” nur einhalten, wenn vor dem 7. Februar alle festgenommenen Protestierer auf freiem Fuß sind. Sprecher Ihor Masur vom “Sektor Recht” hofft auf den Sieg, weil er davon ausgeht, dass bei den staatlichen Sicherheitskräften niemand für Janukowitsch sterben wolle, auch wenn diese Leute gezeigt hätten, dass sie bereit seien, für Janukowitsch zu töten. Aber sterben für ihn wollen sie nicht.

Die so geordnet mit gelb-blauen ukrainischen Fahnen statt mit EU-Fahnen daher kommende Demonstrantenriege stammt von der Krim. Aus der Heldenstadt Sewastopol, wie das eine Plakat besagt, oder aus Jalta. Auf ihren Verkehrsschildern nachempfundenen Plakaten steht: “Stoppt Maidan”.

Laut Umfrage stehen hinter dieser Losung 45 % der Ukrainer, nur 4 % weniger als hinter den “Euro-Maidan”-Demonstranten.

Oleksandr Sinschenko hat bei den Demonstranten von der regierenden “Partei der Regionen” das Kommando. Er betont, die Opposition habe die Maidan-Demos geschaffen, und daraus seinen auch die Radikalen hervorgegangen. Mit denen wollten die Kiewer Bürger, denen es um die EU gehe, aber nichts zu tun haben. Wörtlich:” Wir stehen hier für eine friedliche Lösung aller Konflikte, das beweisen wir mit unserem Verhalten. Wir haben keine Stahlhelme, keine schußsicheren Westen. Unsere Hände sind sauber, wir haben keine Schußwaffen, nichts dergleichen.”

Angesichts der für Zusammenstöße trainierenden Radikalen möchte man anfügen: möge er recht behalten mit der friedlichen Lösung, möge dieses Kiew nicht doch noch zum Ort eines Bürgerkrieges werden.