Eilmeldung

Eilmeldung

EU-Beitritt der Türkei: Erdogan beißt bei Merkel auf Granit

Sie lesen gerade:

EU-Beitritt der Türkei: Erdogan beißt bei Merkel auf Granit

Schriftgrösse Aa Aa

Bei einem Besuch in Berlin hat der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag mehr deutsche Unterstützung bei den stockenden EU-Beitrittsverhandlungen gefordert. Bei einer Rede vor einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte er, es sei unmöglich, das 21. Jahrhundert ohne die Türkei zu gestalten – die EU sei angesichts der Finanzkrise und regionaler Konflikte wie in Syrien und Ägypten auf sein Land angewiesen.

“Die Europäische Union braucht die Türkei mehr, als die Türkei die Europäische Union braucht. Wir erwarten und erhoffen uns von Deutschland die volle Unterstützung bei unserem Weg in die EU. Wir wünschen uns, dass sich Deutschland stärker einsetzt. Die bisherigen Bemühungen reichen nicht aus.”

Erdogan sagte, dass die Türkei ihre Reformpolitik fortsetzen wolle. Merkel kündigte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz eine engere Zusammenarbeit an – mehr versprach sie nicht: “Meine Haltung ist kein Geheimnis und ich habe sie auch nicht geändert. Ich stehe einer Vollmitgliedschaft der Türkei skeptisch gegenüber. Aber dass muss uns in der augenblicklichen Zeit noch nicht stören, denn es geht um einen ergebnisoffenenen Prozess, den wir mit voranbringen wollen.”

Unterdessen forderten etwa 300 Erdogan-Gegner vor dem Brandenburger Tor in Berlin dessen Rücktritt. Der Regierungschef steht wegen einer Korruptionsaffäre und der Versetzung von Hunderten Polizisten und Staatsanwälten in der Kritik – will aber trotzdem möglicherweise bei den Präsidentschaftswahlen im Sommer kandidieren.