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Facebook - Nutzen und Ängste

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Facebook - Nutzen und Ängste

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“Gib mir deine Daten und ich sage dir, wer du bist!”
Immerhin 1,2 Milliarden Erdenbürger lassen sich auf diese Weise von Facebook erklären, wer sie sind.
Warum verschickt jemand persönliche Informationen an mehrere hundert oder gar tausend sogenannte “Freunde”? Da schreibt ein Mädchen, wie oft ihr heute jemand hinterher gepfiffen oder Anzügliches gerufen hat. Ein gewisser Stolz ist nicht zu überlesen. Ist es das? Aufmerksamkeit erregen?
Ist Facebook die ultimative Befreiung der “grauen Mäuse”, die Lösung der Probleme der Einsamen und Geltungsbedürftigen? Warum verkündet jemand seine Meinung zu politischen Entwicklungen hier und nicht von Angesicht zu Angesicht? Die englische Psychotherapeutin Lucy Beresford spricht von einer tiefen Sehnsucht nach Anerkennung. In diese Richtung interpretiert sie auch die Wirkung des allgegenwärtigen “gefällt mir” Knopfes.
Sie sagt: “ Wir alle tun Dinge nur, um das auf Facebook zu verkünden und positives feedback zu bekommen, und das ist nicht gesund.” In zehn Jahren hat sich das sogenannte “soziale Netzwerk” vom Jugendtreff zur Plattform für jede Art von Gemeinsamkeiten entwickelt. Die Professorin für soziale Medien an der Universität von Süd-Kalifornien, Karen North, sagt: “Facebook ist jetzt dein Adressbuch, dein Fotoalbum und gleichzeitig jenes der ganzen Familie, wenn du das denn willst.
Du kannst den Leuten, mit denen du in die Grundschule gegangen bist, Fotos aus der gemeinsamen Kindheit zukommen lassen.
So dokumentieren wir heute unsere Familiengeschichte und unser soziales Leben.”
Von unbestreitbarem Nutzen für den Kampf um Menschenrechte hat sich die Vernetzung inzwischen auch erwiesen. Man erinnere sich an Kairo, an den Tahrir-Platz, wo diese Kommunikationsmöglichkeit 2011 half, die Zensur zu umgehen. Die aus Kairo berichtende Journalistin Bel Trew nennt es “Bürger-Journalismus”, was da 2011 über Facebook und Twitter lief. Sie lobt es als Möglichkeit der Menschen, sich miteinander und mit dem Rest der Welt auszutauschen. Beim “Bürger-Journalismus”, wo im Internet jeder verbreiten kann, was er will, bleiben allerdings entscheidende Punkte journalistischer Arbeit auf der Strecke – nachzuprüfen, Quellen zu belegen, Zusammenhänge zu erklären.