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Prozess in Paris zu Völkermord in Ruanda

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Prozess in Paris zu Völkermord in Ruanda

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In Frankreich wird heute erstmals einem mutmaßlichen Mitverantwortlichen des Völkermords in Ruanda der Prozess gemacht. Dem 54 Jahre alte ruandischen Ex-Offizier Pascal Simbikangwa wird vorgeworfen, mitverantwortlich für Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu sein.

Dafroza Gauthier hofft auf Gerechtigkeit. 80 Mitglieder ihrer Familie wurden damals in Ruanda getötet. “Es ist ein historischer Moment. Für die Opfer, die 20 Jahre auf diesen Prozess gewartet haben, ist er sehr wichtig. Für sie, für ihre Familien aber auch für die Franzosen, die damals zum Zeitpunkt der Ereignisse falsch informiert wurden”, so Gauthier.

Der Angeklagte, dem lebenslange Haft droht, weist die Vorwürfe zurück. Der Prozess soll bis zu acht Wochen dauern. Wegen seines historischen Wertes werden die Verhandlungen gefilmt. Die Menschenrechtsanwältin Clemence Bectarte erklärte: “Dieser Prozess enthält auch die Botschaft, dass Frankreich hoffentlich, nach all diesen Jahren, für Verdächtige des Völkermords in Ruanda kein sicherer Zufluchtsort mehr ist.”

Beim Völkermord in Ruanda wurden 1994 innerhalb von drei Monaten rund 800.000 Menschen getötet, die meisten von ihnen Angehörige der Minderheit der Tutsi.