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Spezialkleidung erfasst Gesundheitsdaten

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Spezialkleidung erfasst Gesundheitsdaten

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Blutdruck, Herzrhythmus, Körpertemperatur, Atemgeschwindigkeit gehören zu den wesentlichen Elementen der Bestimmung des Gesundheitszustands. Bisher erforderte die Messung dieser Körperfunktionen komplizierte und unbequeme Geräte.

Forschern am CSEM in Neuchatel in der Schweiz ist eine erhebliche Verkleinerung der erforderlichen Technologie gelungen. Die Untersuchung dieser Prozesse ist nun mit einem einzigen Sensor möglich, sowohl während der sportlichen Aktivität als auch in der Entspannungsphase.

Zwei Kontaktpunkte genügen, um den Gesundheitszustand eines Sportlers vollständig darzustellen. Die Gesundheitsdaten werden dann über Bluetooth zur Untersuchung an eine Kontrollstation gesendet. Die Forscher betonen, dass von dieser Technologie jeder profitieren kann, nicht nur Sportler.

“Das System besteht aus Sensoren, einer Batterie und einem Computer”, erklärt Joseb Sola I Caros, einer der leitenden Ingenieure am CSEM. “Auf diese Weise können wir die elektrischen und optischen Signale im Körper des Anwenders erfassen. Er muss das Gerät lediglich mit seiner Haut in Kontakt bringen. Mit Hilfe elektrischer Signale untersucht das System Parameter wie Herzrhythmus oder Atemvolumen. Wir arbeiten derzeit an der Analyse anderer Funktionen, zum Beispiel dem Blutdruck.”

Für die Fertigung dieses Geräts müssen die Schaltkreise in einer 3-D-Darstellung entworfen werden. Der Techniker stellt sie so zusammen, dass sie optimal funktionieren.

Es folgt der Übergang von der Darstellung zur Realität. So kleine Geräte lassen sich nicht mit bloßen Händen zusammensetzen. Der Techniker verwendet ein Mikroskop, um die winzigen Schaltkreise in Vergrößerung zu sehen und mit Hilfe spezieller Geräte exakt zu plazieren.

Die fertigen Sensoren lassen sich auf unterschiedliche Weise verwenden. Sie können zum Beispiel in Spezialkleidung eingenäht werden. Es wurde ein Sportanzug für Triathlon-Athleten entworfen, der die Gesundheitsdaten während des Radfahrens, Laufens und Schwimmens erfassen kann. Er untersucht auch das Schlafverhalten.

“Eine der wichtigsten medizinischen Aufgaben im Profisport ist die Untersuchung der Erholungsphase”, so Alexandros Giannakis, der Chef der Firma Sensecore. “Das geht am Besten durch die Analyse des Schlafverhaltens. Mit Hilfe dieser Technologie erfahren wir, wie häufig sich der Sportler im Schlaf bewegt, und wir erhalten Werte für den Herzrhythmus, die Atemgeschwindigkeit und die Körpertemperatur. Also im Grunde alle Informationen, die in einer Schlafklinik erfasst werden.”

Die in Neuchatel entwickelte Technologie für die Blutdruckmessung wird in der Universitätsklinik in Bern getestet. In Europa leidet ein Drittel der Bevölkerung unter Bluthochdruck und von diesen wissen die meisten nicht, dass sie betroffen sind.

Stefano Rimoldi ist Forscher an der Universität Bern: “Wer heute eine 24-Stunden-Blutdruckuntersuchung vornehmen will, muss eine Manschette tragen, die sich alle 20 Minuten aufbläht, auch während der Nacht. Das stört den Schlaf des Patienten und während des Tages ist seine Bewegung behindert. Die neue Technologie erleichtert die Untersuchung. Statt des herkömmlichen Verfahrens haben wir jetzt ein tragbare Gerät mit drei Sensoren, die die kontinuierliche Messung des Blutdrucks ermöglichen. Die ständig anschwellende Manschette benötigt man also nicht mehr.”

Heute braucht der Patient lediglich ein spezielles T-Shirt zu tragen und er kann während der 24-stündigen Untersuchung normal weiterleben, ohne die bisherige Beeinträchtigung des Tagesablaufs.