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Ruanda-Völkermord in Paris vor Gericht

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Ruanda-Völkermord in Paris vor Gericht

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In Frankreich wird dieser Prozeß “historisch” genannt. Was sicher nicht übertrieben ist. 20 Jahren nach dem Völkermord von Ruanda steht erstmals einer der mutmaßlichen Initiatoren vor Gericht.
Während bei dem gleichzeitig in Frankfurt/Main stattfindenden Ruanda-Prozeß “nur” ein ehemaliger Bürgermeister angeklagt wird, der für den Mord an mindestens 400 Menschen verantwortlich sein soll,
geht es in Paris um einen der Hintermänner. Pascal Simbikangwa, 54, wird “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” vorgeworfen. Einer der Nebenklägeranwälte, Maitre Jean Simon, sagt,
bedauerlich sei nur, dass dieser Prozeß erst nach 20 Jahren stattfinde. Andererseits zeige dass, dass es nötig sei, darüber zu reden, immer wieder, damit es niemals vergessen oder banalisiert werde.
Was lässt sich also nach 20 Jahren klären? Zunächst einmal die Ausgangslage. Der Konflikt zwischen Hutu und Tutsi war kein ethnischer sondern ein sozialer. Die als Viehzüchter lebenden Tutsi hatten bessere Lebensbedingungen als die Hutu-Bauern. Bis zum I.Weltkrieg war Ruanda eine deutsche Kolonie, 1962 erhielt es seine Unabhängigkeit von der UNO-Mandatsmacht Belgien. Es folgte ein Bürgerkrieg um die Macht, in dem zuletzt die Hutu-Regierung von Tutsi-Rebellen bedrängt wurde. Am 6.April 1994 wurde das Flugzeug mit dem Präsidenten, einem Hutu, beim Landeanflug auf Kigali abgeschossen. Dass dann an simpler Aufruf im Radio genügt haben soll, damit Hutus fast eine Million ihrer Nachbarn abschlachteten, klingt wenig glaubhaft. Ein Völkermord diesen Ausmasses muss vorbereitet werden. Ideologisch wie praktisch. Der Kommandeur der im Lande stationierten UN-Blauhelme warnte bereites im Januar vor einem geplanten Völkermord. US-Außenministerin Madeleine Albright wies ihre Beamten an, den Begriff “Genozid” nicht zu verwenden, denn sonst wäre die internationale Gemeinschaft gezwungen, militärisch einzugreifen. So flohen erst die überlebenden Tutsi. Und als dann im Juni doch eine stärkere UN-Mission beschlossen wurde, verhalfen französische Truppen den Mördern zur Flucht ins Nachbarland Zaire. Die UNO, die beim Schutz der Bedrohten versagt hatte, organisierte ein “Internationales Strafgericht für Volkermord in Ruanda”. Das hat in 20 Jahren hundert Fälle abgeschlossen, wobei 65 Täter, darunter der damalige Regierungschef, für “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” verurteilt wurden. Die Folgen des Völkermords von Ruanda führen auch 20 Jahre später zu immer neuen Konflikten in der Region.
Kongo, Burundi, Uganda, Zentralafrikanische Republik. In letzterer ist derzeit unter den UN-Blauhelmen auch ein Kontingent aus Ruanda.
Man möchte es gern als Zeichen der Hoffnung sehen