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EZB: Abwarten ist auch eine Entscheidung

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EZB: Abwarten ist auch eine Entscheidung

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Trotz gesunkener Inflation hält die
Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins im Euroraum bei 0,25
Prozent. Die überraschend niedrige Januar-Inflation hatte die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Zinssenkung steigen lassen. Die
meisten Beobachter hatten jedoch zunächst keine weitere Lockerung der
Geldpolitik erwartet.

Abwarten ist auch eine Entscheidung, findet Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank:

“Vieles vom Rückgang der Inflation – der Kerninflation (ohne Lebensmittel und Energie) – kommt eigentlich aus den vier Hilfsprogrammländern Spanien, Irland, Portugal und Griechenland.

Das wäre dann eher ein Zeichen für eine relative Preisanpassung als für Deflation.
Ich versuche hier, Ihnen ein Gefühl zu vermitteln, wie komplex das Bild ist. Was erklären soll, warum wir – statt heute eine Entscheidung zu treffen – lieber warten.”

Draghis Problem:
“Die” Inflationsrate (Jahresrate Dezember 2014, Eurostat) in der Eurozone gibt es nicht.
Da ist Griechenland drin enthalten mit sinkenden Preisen, Spanien, Portugal und Irland mit nahe Null – aber auch Staaten mit rund zwei Prozent Inflation (Estland, Österreich, Finnland) – deren Preise sind für die EZB “stabil”. Und Deutschland lag im Dezember mit 1,2 Prozent über dem Eurozonen-Schnitt von 0,8 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat ging die jährliche Inflation in neun EU-Staaten zurück, blieb in vier unverändert und stieg in vierzehn an.

Im Januar fiel die Jahresteuerung dann im Euroraum auf 0,7 Prozent und damit deutlich unter den Zielwert der EZB von knapp unter 2,0 Prozent.

Beobachter erwarten nun im März den nächsten Zinsschritt. Dann veröffentlichen die Währungshüter ihre neuesten Wachstums- und
Inflationsprognosen. Bisher prognostiziert die EZB im laufenden Jahr eine Teuerung von 1,1 Prozent.

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Deflation (Deutsche Bundesbank)

Unter Deflation versteht man ein allgemeines, anhaltendes Sinken des Preisniveaus. In einem deflationären Umfeld besteht die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale: Wenn die Verbraucher mit weiter fallenden Preisen rechnen und deshalb Konsumausgaben aufschieben, kann dieser Rückgang der Nachfrage die Unternehmen zu Produktionseinschränkungen und weiteren Preissenkungen veranlassen. Fallende Preise erhöhen zudem den realen Gegenwert ausstehender Schulden sowie die realen Zinsen. In der Tendenz dämpft auch dies die Nachfrage, insbesondere nach Investitionsgütern. Die geldpolitischen Möglichkeiten zur Bekämpfung einer Deflation sind dadurch beschränkt, dass die Nominalzinsen nicht unter null Prozent gesenkt werden können.

su mit Reuters, dpa