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Ost oder West: Wohin geht der Weg Moldawiens?

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Ost oder West: Wohin geht der Weg Moldawiens?

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Moldawien muss sich entscheiden. Wohin führt der Weg? Nach Osten oder Westen? Russland will das Land vom Weg nach Westen abbringen: Während Moldawien ein Partnerschaftsabkommen mit der Europäischen Union verhandelte, stoppte Moskau die Wein-Einfuhr. Seit September werden sämtliche Alkoholika aus Moldawien an der Grenze zurückgewiesen – wegen angeblicher Qualitätsmängel.

Die EU dagegen buhlt um das arme Land: Die Europäische Investitionsbank stellte den moldawischen Weinbauern eine Kreditlinie über 75 Millionen Euro zur Verfügung. Damit kann die Weinindustrie des Landes von Grund auf modernisiert werden. Und Brüssel hilft schnell und unbürokratisch gegen das Moskauer Wein-Embargo: Die Europäische Union hat ihren Binnenmarkt Anfang des Jahres vollständig für moldawischen Wein geöffnet – ohne irgendwelche Mengenbeschränkungen, ohne irgendwelche Zölle.

Aber die Meinungen sind gespalten: In den russischsprachigen Gebieten Moldawiens möchten viele lieber mit Russland kooperieren, in den rumänischsprachigen Gebieten überwiegt eine pro-europäische Stimmung.

Im Grenzgebiet zu Rumänien wird aktuell das moldawische mit dem westeuropäischen Erdgasnetz verbunden. Bislang bezieht Moldawien sein Erdgas ausschließlich aus Russland. Sollte Moskau den Gashahn zudrehen, könnte diese Verbindung zwischen dem rumänischen Iași und dem moldawischen Ungheni aushelfen. Eine europäische Rettungs-Pipeline für den Fall der Fälle.

Kritiker sagen, ohne zusätzliche Infrastruktur könne die neue Pipeline nur zehn Prozent ihrer Kapazität nutzen. Es wird diskutiert, die Pipeline 120 Kilometer weiter bis nach Chişinău zu führen. Doch die Gasgesellschaft Moldawiens wird von der russischen Gazprom kontrolliert. Europa will Gasversorger und Betreibergesellschaft trennen, für echten Wettbewerb sorgen. Moskau lehnt das ab.

Moldawische Bauern haben Angst, dass Moskau das Weinembargo auf andere Produkte ausweiten könnte, beispielsweise auf Äpfel. Wenn das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union in Kraft tritt, kann Moldawien seinen Apfel-Export Richtung Westen vervierfachen. Die Europäische Union bietet einen riesigen Absatzmarkt mit besseren Gewinnmöglichkeiten als im Osten.

Doch nur 44 Prozent der moldawischen Bevölkerung blicken nach Westen, 40 Prozent nach Osten. Bald wird gewählt. Werden das Partnerschafts- und Freihandelsabkommen mit der EU wirklich umgesetzt? Moldawien ist Europas ärmstes Land, leidet immer noch unter den Spätfolgen des Kalten Krieges. Tauwetter oder Eiszeit – 2014 wird ein schwieriges Jahr für Moldawien. Aus Sicht der Europäischen Union sind die EU-Partnerschaftsabkommen mit Staaten wie Moldawien oder auch Georgien mit den bestehenden Handelsabkommen mit Russland voll vereinbar. Moskau sah das in der jüngsten Vergangenheit anders. Dabei benötigt gerade Moldawien nichts dringender als offene Märkte und ein konstruktives Miteinander aller Partner, ganz egal ob im Westen oder Osten des Kontinents.

BONUS:
Um das vollständige Interview mit EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos (auf Französisch) zu hören, nutzen Sie bitte den folgenden Link. Euronews-Reporter Hans von der Brelie traf Ciolos in der moldawischen Hauptstadt Chisinau. Der EU-Kommissar befürwortet eine engere Zusammenarbeit der EU mit der Republik Moldau.

Interview bonus : Dacian Ciolos, Commissaire européen en charge de l’Agriculture