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Soziale Not in Bosnien: Kroatischer Ministerpräsident gibt EU eine Mitschuld

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Soziale Not in Bosnien: Kroatischer Ministerpräsident gibt EU eine Mitschuld

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In Bosnien-Herzegowina haben erneut Tausende den Rücktritt der Regierung und Neuwahlen gefordert. Die Demonstranten werfen den Politikern vor, für die soziale Not im Land verantwortlich zu sein. Sie fordern unter anderem eine Kürzung der Gehälter von Staatsbediensteten und die Rücknahme von Privatisierungen. In den vergangenen Tagen waren bei den Protesten Hunderte verletzt worden, am gestrigen Sonntag blieben gewaltsame Auseinandersetzungen weitgehend aus.

Der kroatische Ministerpräsident Zoran Milanovic traf gestern in Mostar mit seinem bosnischen Amtskollegen Vjekoslav Bevanda zusammen und gab der Europäischen Union eine Mitschuld an der Lage: “Was hier geschieht, steht unmittelbar mit der wirtschaftlichen Not in Verbindung”, sagte Milanovic. “Deshalb sind die Leute aufgebracht. Und das wäre nicht der Fall, wenn die Europäische Union eine schlüssigere und eindeutigere Bosnien-Politik betreiben würde”, so der kroatische Ministerpräsident weiter. Er fügte hinzu, die EU habe den Bosniern bislang keine europäische Zukunft aufgezeigt.

Vor dem Polizeipräsidium in Sarajewo forderten die Demonstranten gestern die Freilassung von Inhaftierten und warfen den Sicherheitskräften vor, im Rahmen der Proteste der vergangenen Tage mit unverhältnismäßiger Gewalt vorgegangen zu sein. Nach Angaben des Polizeichefs wurden 34 der 44 Festgenommenen inzwischen aus dem Gewahrsam entlassen. Misshandlungen habe es keine gegeben, fuhr er fort. Ein 17-Jähriger hatte berichtet, er und Mithäftlinge seien nach der Festnahme im Keller des Polizeipräsidiums geschlagen worden und hätten 26 Stunden lang ohne Schlaf auskommen müssen.