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Ungarn: Juden boykottieren Holocaust-Gedenkfeiern

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Ungarn: Juden boykottieren Holocaust-Gedenkfeiern

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Aus Protest gegen die ungarische Regierung boykottieren jüdische Verbände die Holocaust-Gedenkfeiern. Dies hatten sie bei einer Generalversammlung am Sonntag in Budapest entschieden. In Ungarn laufe schon seit einigen Jahren eine geschichtsfälschende Kampagne. Die Regierung müsse die Mitverantwortung der Ungarn an Deportationen und Massenmord von ungarischen Juden klarer darstellen, fordern die jüdischen Verbände.

Gusztáv Zoltai, Direktor der jüdischen Verbände: “Weder meine Mutter, noch mein Vater sind von den Deutschen in den Zug gesteckt worden. Ungarn hatten sie an Deutschland ausgeliefert. Natürlich geht es hier nicht nur um die Verantwortung. Jeder muss erfahren, was damals wirklich passiert ist.”

Vorangegangen war dem Boykott ein Denkmal-Streit: Einen deutschen Reichsadler, der den Erzengel Gabriel – der symbolisch für Ungarn steht – angreift, will die ungarische Regierung errichten lassen. Die Statue soll an den deutschen Einmarsch 1944 erinnern. Historiker mahnen, dass das Denkmal die Mitschuld der ungarischen Bevölkerung an der Deportation von 600.000 ungarischen Juden verleugnet.
Andrea Hajagos berichtete aus Budapest: “Die Statue, die auf diesem Platz hier aufgestellt werden soll, ist für die Regierung inzwischen zu einem ziemlich unerfreulichen Projekt geworden. Besonders jetzt, zwei Monate vor den Wahlen – nachdem dieses Denkmal zu einem der wichtigsten Themen in der Kampagne geworden ist.”