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Bosniens seit 20 Jahren ungelöste Probleme

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Bosniens seit 20 Jahren ungelöste Probleme

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Tuzla war einstmals Bosniens Industriezentrum.
Das ist aber ziemlich lange her. Inzwischen wuchert hier die Arbeitslosigkeit. Die Firma Dita war in ganz Jugoslawien bekannt für ihre Reinigungsmittel. Jetzt ist sie geschlossen.
Professor Damir Arsenijevic, Wissenschaftler von der Universität Tuzla, sagt: “Die Leute haben einfach genug von der Korruption und von der Unfähigkeit der Regierung. Die habe in 20 Jahren nie auf die Menschen und deren Sorgen gehört.”
Im Staat Bosnien-Herzegowina wird die Arbeitslosigkeit offiziell mit 27% angegeben – in Wirklichkeit ist fast jeder zweite Arbeitsfähige ohne Einkommen. Bei der Umstellung auf Marktwirtschaft ist einfach nichts gelungen.

Man muss zurückschauen bis zum Bosnienkrieg von 1992 bis 1995, um diese irrsinnige Dezentralisierung zu verstehen. Der Kompromiss, der 1995 mit dem Dayton-Friedensabkommen geschlossen wurde, beendete zwar die Kampfhandlungen – nicht aber die feindselige Einstellung der Volksgruppen zueinander. Es wurde ein ziemlich fauler Kompromiss, in dem das Scheitern schon vorprogrammiert war, in dem Volksgruppen zusammengepresst wurden, die auf diese Weise eben nicht miteinander auskommen können.
Die Zerstückelung des Staates nach ethnischen Gesichtspunkten lässt eine sinnvolle wirtschaftliche Entwicklung einfach nicht zu. Da kommen keine ausländischen Investoren.
Und dann dieses lähmende Konstrukt eines Triumvirates! Nur zu dritt dürfen ein Serbe, eine Kroate und ein Bosniake den Staat führen. Das kann einfach nicht gut gehen. Sie blockieren sich ständig gegenseitig.
Das führt bis zu neuen blutigen Unruhen. Zuletzt verlangten die Demonstranten eine “Regierung der Technokraten”, damit der Staat mit Sachverstand gelenkt werde- statt immer nur für Gruppeninteressen missbraucht zu werden. Auch die EU hat schon 2009 angemahnt, dass die gegenwärtige Verfassung eine Annäherung an die Europäische Union nicht erlaube. So verhindert die fehlende Lösung für das Problem des Zusammenlebens der Volksgruppen, dass das Problem der wirtschaftlichen Entwicklung des Staates überhaupt nur angepackt werden kann.