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Diuretikum hemmt autistische Störungen bei Mäusen

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Diuretikum hemmt autistische Störungen bei Mäusen

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Der zehnjährige Virgil ist Autist und gehörte zu den 60 Patienten, die 2012 an einer Studie mit dem Diuretikum Bumetanid teilnahmen. Bei den jungen Probanden, die das Entwässerungsmittel drei Monate lang einnahmen, zeigten sich leichte Verbesserungen der Autismus-typischen Symptome. Dies, vermutet das französische Forscherteam, ist darauf zurückzuführen, dass der Chloridgehalt im Gehirn und somit die krankhafte Überregung in den Nervenzellen gesenkt wird. Tierversuche haben nun gezeigt, dass das Diuretikum eine ähnlich beruhigende Rolle spielt, wie das Schwangerschaftshormon Oxytocin.

Yehezkel Ben-Ari, Forschungsleiter (INSERM, INMED): “Unter normalen Umständen kommt es dank Oxytocin während der Geburt zu einem Rückgang der Chloridkonzentration. Wir haben bewiesen, dass dieser für das embryonale Gehirn wichtige Rückgang bei autistischen Mäusen nicht stattfindet.”

Aber durch Bumetanid kann er angeregt werden. Bei den Tierversuchen wurde Mäusen und Ratten, die aufgrund genetischer Defekte autistische Symptome aufwiesen, das Mittel injiziert. Dies bewirkte, dass der Nachwuchs dauerhaft keine der autistischen Störungen zeigte.

Die Fachwelt reagiert zurückhaltend auf die Entdeckung. Bei Betroffenen macht sich Hoffnung breit. “Ganz klar, wir wollen, dass die Forschungen weitergehen, wir wären mit dabei”, sagt diese Mutter eines autistischen Jungen.

“Weil Autismus seit jeher als psychiatrische Erkrankung oder Behinderung gilt, gab es keine Bemühungen der Forschung, die Krankheit zu besiegen”, erklärt der Leiter des Vereins “Vaincre l’autisme”. “Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven, um zu zeigen, dass Autismus ein Problem des Gehirns ist.”

Allerdings gilt die Aussagekraft der Studie als sehr begrenzt. Eine größer angelegte Phase-II-Studie ist bereits angelaufen und soll Ende des Jahres veröffentlicht werden.