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Wachsende Unruhen in Venezuela

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Wachsende Unruhen in Venezuela

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Sie werden immer mehr, die Protestaktionen in Venezuela. Sie werden auch gewalttätiger. Seit knapp zwei Wochen geht das so. Auf der einen Seite demonstrieren Studenten und Leute, die sich schon länger zur Opposition bekennen, vor allem gegen die immer chaotischer werdende Wirtschaftpolitik der Regierung Maduro. Der Präsident seinerseits beteuert: Nein, da sei kein Staatsstreich im Anzug. Rund ein Jahr, nachdem er vom verstorbenen Hugo Chavez das oberste Staatsamt übernahm, hat Nicolas Maduro allergrößte Schwierigkeiten, die Turbulenzen irgendwie zu beruhigen. Maduro spricht bereits von einem “Wirtschaftskrieg”. Er beschuldigt “Spekulanten” aus dem privaten Sektor der Anstiftung zu diesen Protesten. Den Privatunternehmen wird vorgeworfen, die Preise in die Höhe zu treiben und dabei den “wirtschaftlichen Patriotismus” zu vernachlässigen. Laut Gesetz dürfen die Gewinnmargen 30 % nicht übersteigen.
Um das zu überprüfen, wird die Armee in die Geschäfte geschickt. Die Inflation liegt inzwischen bei 56%. Als Ursache dafür wird der überhitzte Wechselkurs angesehen. Offiziell kostet 1 US-Dollar 6,3 Bolivar – auf dem Schwarzmarkt aber schon 70 Bolivar. Und dann ist die Abhängigkeit vom Erdöl weiter gestiegen. Machte Öl 1997 noch 76 % des Exports aus, so sind es jetzt mehr als
96 %. Regierungsoffiziell wird von einer “parasitären Bourgeoisie “ gesprochen, die an diesem “Kapitalismus der Spekulanten” schuld sei.
Leere Regale gelten als Beweis. Gleichzeitig beklagen die Zeitungsverleger, dass der Staat die für den Einkauf von Zeitungspapier nötigen Devisen neuerdings immer zu spät bewillige. Neben der Wirtschaft beunruhigt vor allem die Kriminalität die Bürger. Nach den jüngsten Oppositionsprotesten berichten Beobachter von Motorradbanden, deren Mitglieder auf die Demonstranten geschossen haben sollen. Diesen sogenannt “colectivos” wird eine Nähe zur Regierung Maduro nachgesagt. Die Kriminalität ist geradezu sprunghaft angestiegen.
Wurden 1998 4.500 Morde verzeichnet, so waren es 2012 schon 21.000. Das sind 73 Morde auf 100.000 Einwohner. In der vergangenen Woche gehörte auch ein Deutscher Kreuzfahrt-Tourist zu den Opfern. Der Mann geriet beim Landgang in einem Einkaufszentrum an Gangster, die ihn ausrauben wollten. Er wehrte sich – und starb.