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Finanzmärkte stimmen für Renzi

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Finanzmärkte stimmen für Renzi

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Der designierte italienische Ministerpräsident Matteo Renzi hat rasche Reformen zur Überwindung der Regierungs- und Wirtschaftskrise angekündigt – im Vierwochentakt.

Im März werde der Arbeitsmarkt reformiert, die öffentliche Verwaltung im April und das Steuersystem im Mai. Priorität hätten aber – bei rekordhaften mehr als 40 Prozent Jugendarbeitslosigkeit – Arbeitsplätze.

Und die Finanzmärkte trauen es ihm offenbar zu. Die Rendite für italienische 10-Jahres-Anleihen fiel am Montagmorgen auf den niedrigsten Wert seit acht Jahren. Der Renditeabstand zu deutschen Staatsanleihen – in Italien verfolgt wie eine Krisen-Fieberkurve – liegt bei 3,6 Prozent – halb so hoch wie in der Berlusconi-Endphase Ende 2011.

Analyst Edoardo Liuni, Trading Master Roma:

“Der italienische Benchmark Spread schrumpfte auf acht-Jahres-Tief, dank der der Erwartungen der Märkte an die neue Regierung. Sie sind wahrscheinlich überzeugt, dass Renzi die wirtschaftlichen Reformen durchbringt, die Italien nötig hat.”

Italiens Wirtschaft wächst zwar neuerdings zum ersten Mal seit Mitte 2011 wieder zaghaft. Doch laut Weltbank ist die Wettbewerbsfähigkeit der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone die schlechteste aller entwickelten Staaten – Italien belegt im Ranking nur den 65. von 189 Plätzen. Seit 2007 ist die Industrieproduktion um 26 Prozent zurückgegangen.

In den vergangenen vier Jahren meldeten mehr als 40.000 Betriebe Insolvenz an.

Und auch die Arbeitslosigkeit wird in diesem Jahr trotz des leichten Aufschwungs erst einmal weiter steigen. Dabei ist die Quote von knapp 13 Prozent schon Rekord.

Die Wirtschaft leidet massiv unter den Folgen der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit rigidem Sparkurs hielten die Regierungschefs Enrico Letta und Mario Monti das Haushaltsdefizit unter der EU-Obergrenze von drei Prozent der Wirtschaftsleistung.

Renzi hatte sich in einem innerparteilichen Machtkampf gegen Enrico Letta durchgesetzt, der trat daraufhin als Ministerpräsident zurück. Tags darauf hob die Ratingagentur Moodys den Ausblick für Italiens Staatskredit von negativ auf stabil an.

su mit Reuters