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Matteo Renzi - wahrscheinlich Italiens nächster Regierungschef

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Matteo Renzi - wahrscheinlich Italiens nächster Regierungschef

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Er könnte der dritte Politiker in Folge werden, der nicht durch Wahlen an die Spitze der italienischen Regierung kommt. Matteo Renzi wäre dann mit 39 der der jüngste Regierungschef der EU. Und das ohne Erfahrung in der nationalen Politik. Der Bürgermeister von Florenz hatte Ende letzten Jahres mit Ideen wie “die alte Politikerkaste abschaffen” den Sprung an die Parteispitze geschafft. Einmal gewählt begann er scharf zu schießen gegen Ministerpräsident Letta, seinen Parteifreund. So formulierte er im Kampf um die Parteiführung: “Ich möchte lieber eine Linke, die Italien in Ordnung bringt, als eine Linke, die auf ihren Niederlagen stolz ist. “ Ein Jahr zuvor hatte er bei der Urwahl der Partei für die Parlamentswahl noch gegen den älteren Luigi Bersani verloren. Renzi sagt: “Wir müssen handeln, um zu vermeiden, dass wir das hässlichste Gesicht der Linken werden, weil wir nicht in der Lage sind, zu verhindern, dass die Linke sich selbst zerstört, nachdem wir die Wahlen gewonnen haben. So lief es mit Prodi.” Für solche Worte bekommt er reichlich Beifall von seiner schmerzgeplagten, zerrissernen Partei. Bei der Rücksichtslosigkeit, mit der hier ein Politiker den Weg nach oben bahnt, fühlt sich manch Italiener an Berlusconi erinnert.
Auch manche Methode wie die Auftritte mit populärer Musik scheint er Berlusconi abgeschaut zu haben, den seine Partei bisher nur unter der Losung “bekämpft ihn” kannte. Und ausgerechnet mit diesem alten Feind hat Renzi bereits die Grundlagen für die dringend nötige Wahlrechtsreform gelegt. Die “Partito democratico” wird von Flügelkämpfen erschüttert, seit sich in ihr im Oktober 2007 Postkommunisten, Sozialdemokraten und Christlich-Linke zusammenfanden. Womöglich wurde Renzi auch angetrieben von der Angst vor möglichen Neuwahlen im Mai. Die wird es nun nicht geben.
Darin sind sich der junge Aufsteiger und der alte Staatspräsident einig.

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