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Nach 200 Jahren: Familie Peugeot gibt Kontrolle ab

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Nach 200 Jahren: Familie Peugeot gibt Kontrolle ab

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Der Aufsichtsrat des kriselnden Autoherstellers PSA Peugeot Citroën hat wohl abschließend über einen Kapitaleinstieg des französischen Staates und des chinesischen Konzerns Dongfeng beraten. Insider sprechen von einer Kapitalerhöhung von insgesamt drei Milliarden Euro, der Autobauer Dongfeng und der französische Staat sollen mit jeweils 800 Millionen Euro einsteigen. PSA braucht dringend frisches Kapital. Hintergrund der aktuellen Verhandlungen sind Staatsgarantien über sieben Milliarden Euro, die im nächsten Jahr auslaufen. Sie halten das Unternehmen bisher über Wasser.

Nach heftigen Diskussionen gibt die Gründerfamilie Peugeot damit ihren Status als größter Aktionär mit 25,4 Prozent Aktienanteil und 38 Prozent.der Stimmrechte auf und akzeptiert Paris und den staatseigenen Konzern Dongfeng als gleichberechtigte Aktionäre, jeder mit 14 Prozent. Danach sollen künftig nicht mehr vier, sondern nur noch zwei Familienmitglieder im Aufsichtsrat sitzen. Der bisherige Aufsichtsratschef Thierry Peugeot könnte seinen Posten verlieren.

Ein Kulturbruch für Frankreich, denn die Hugenottenfamilie Peugeot ist seit gut 200 Jahren im Geschäft – seit die Brüder Jean-Frédéric und Jean-Pierre Peugeot in Hérimoncourt nahe der Schweizer Grenze eine Eisengießerei auf die Beine stellten. Auch Kaffee- und Pfeffermühlen, Korsette oder Federn für die Schweizer Uhrmacher wurden unter dem Löwenlogo hergestellt.

Arnaud Montebourg – Französischer Industrieminister:

PSA ist ein Unternehmen, das die Technologie hat, aber die Marken sind auf den europäischen Markt beschränkt. Dongfeng hat nicht die Technik, keinen Markennamen, aber Zugang zum Wachstum des asiatischen Marktes. Also ist das ein fairer Tausch.”

Die Dongfeng Motor Corporation gibt es seit 2003, mit knapp 40 Jahren Vorlauf unter anderem Namen. Die Firma arbeitet in Joint Ventures mit Nissan, Honda, PSA Peugeot Citroën, Kia Motors zusammen

Peugeot-Citroen, zweitgrößter europäischer Autohersteller, steckt mitten in einer Reorganisation, die die Verluste durch die Absatzkrise in Europa nach sechs Jahren beenden soll.

Im vergangenen Jahr verbrannte der Konzern Schätzungen zufolge Barmittel in Höhe von etwa 1,5 Milliarden Euro, 2012 waren es drei Milliarden.

su mit Reuters, AFP