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Ukraine: politische Unsicherheit führt zu Hamsterkäufen

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Ukraine: politische Unsicherheit führt zu Hamsterkäufen

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Lange Schlangen vor den Geldautomaten im ost-ukrainischen Donezk. Seit es in Kiew keine erkennbare Staatsmacht mehr gibt, geraten die Bürger in Panik, wie es eine junge Frau ausdrückt, die ihren Namen nicht nennen möchte. Ein Mann in der Schlange erklärt, er habe die Wartenden gesehen, und sei erst dann selber unruhig geworden. Weil viele Geld abheben, mache er das jetzt auch.
Es ist die klassische Form, wie sich Panik ausbreitet. Auch auf den Märkten von Kiew.
Mit der ukrainischen Wirtschaft geht es schon eine Weile bergab. Zuletzt wurde 2011 ein Zuwachs des BIP von 5 Prozent verzeichnet. Boris, der auf dem Markt Kleidung verkauft, beklagt den Wertverlust der einheimischen Währung gegenüber Dollar oder Euro. Der Wechselkurs steige ständig.
Richtig gute Zeiten hat es für die ukrainische Wirtschaft seit der Unabhängigkeit vor 23 Jahren nie gegeben. Das Land hat sich nicht aus den engen Verflechtungen der Sowjetzeit lösen können.
Schließlich war die Schwerindustrie voll auf Zulieferer wie Abnehmer in anderen Teilen der UdSSR ausgerichtet. Das BIP pro Kopf liegt nur bei einem Viertel des russischen Wertes.
Die Chef-Volkswirtin der führenden Investmentbank “Dragon Capital”, Olena Bilan, würde es definitif besser finden, wenn die Ukraine die Hilfe des IWF annehmen würde. Denn damit wäre die Regierung zu Reformen gezwungen, sie müsste die Wirtschaft nachhaltiger gestalten. Russische Hilfe bedeute hingegen nur, da komme Geld, mit dem dann das russische Gas bezahlt werde.
Im Dezember hatte Russlands Präsident Putin 15 Milliarden Dollar zugesagt. Angekommen ist davon bisher aber nur eine erste Tranche von 3 Milliarden.
Mehr ist im Moment auch nicht mehr zu erwarten.
So sieht es der Politologe Valerij Schalij. Er meint, man könne vielleicht nach dem Abschluß eines Assoziierungsabkommens mit der EU mit Russland über neue Bedingungen verhandeln. Russland bleibe schließlich ein wichtiger Wirtschaftspartner der Ukraine. Aber jetzt habe man eine neue Situation.
Die Zeit drängt. Das Land braucht für die nächsten zwei Jahre 35 Milliarden Dollar für seinen Schuldendienst. Einige Kreditraten werden schon im Juni, also in drei Monaten, fällig.