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Arseni Jazenjuk auf dem "heißen Stuhl" des Ministerpräsidenten

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Arseni Jazenjuk auf dem "heißen Stuhl" des Ministerpräsidenten

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In diesem heißen Winter von Kiew wechselte die politische Lage schneller als manch Beteiligter seine Hemden. Ende Januar lehnte Arseni Jazenjuk noch das Angebot des Noch-Präsidenten Janukowitsch ab, unter ihm Regierungschef zu werden. Keinen Monat später hat er den Posten.
Und dazu den in diesen Zeiten unerlässlichen Rückhalt beim revoltierenden Volk. Bei einem Teil zumindest. In fließendem Englisch betont er die Notwendigkeit, jetzt verantwortlich zu handeln.
Nennt die neuen Regierungsmitglieder aber im nächsten Satz “politische Selbstmordkandidaten”:
“We need to form the responsible government and it’s not about the personalities, this is about the responsibility. You know, to be in this government is to commit a political suicide. And we need to be very frank and open. This is the political suiciders.”

Jazenjuk hat sich in den hitzigen Debatten auf dem Maidan auch seine Sporen als Volksredner verdient.
Die fehlten dem bis dahin als trockener Technokrat geltenden Wissenschaftler noch. Der 39jährige hat Rechts- und Wirtschaftswissenschaften studiert.
War Wirtschaftsminister der autonomen Region Krim und stellvertretender ukrainischer Notenbankchef. Zuletzt führte er im Parlament die Fraktion der “Vaterlandspartei” und galt somit als eine Art “Platzhalter” für die inhaftierte Julja Timoschenko. Gemeinsame Sache mit der inzwischen recht umstrittenen prominentesten Politikerin des Landes macht er erst seit der Parlamentswahl 2012, als seine kleine Partei “Front der Veränderungen” auf der Liste von Timoschenkos “Vaterlandspartei” kandidierte.
Bei der Präsidentenwahl 2010, bei der er gegen sie antrat, reichte es nur für enttäuschende 6,69 Prozent. Jazenjuk lernte, Erfahrung und Wissen allein reichen nicht in Zeiten, in denen das Volk basisdemokratisch entscheiden will. Sein wohl hilfreichster Entschluss bestand darin, mit Vitali Klitschko und dem Ultranationalisten Oleg Tiagnibok als oppositionelles Dreigestirn Tag für Tag öffentlich zu agieren. Die US-Diplomatin Victoria Nuland, die Jazenjuk auch schon im Amt des Außenministers erlebt hat, fasst ihre Vorstellungen von einer neuen Regierung in die Worte: “ Klitschko sehe ich nicht in einem Regierungsamt. Da sehe ich eher Jazenjuk. Der hat Erfahrungen in der Wirtschaft, auch Regierungserfahrung. Ihn kennt man.”
Die ungeteilte Zustimmung der Bürger wird Arseni Jazenjuk nicht zuteil, schließlich gehört er ja irgendwie auch zu den “Alten”, die schon einmal versagt haben. Der Stuhl des Ministerpräsidenten der Ukraine kann in diesen Zeiten schnell zum Schleudersitz werden.