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Humanitäre Katastrophe trotz Friedenstruppen in Zentralafrika

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Humanitäre Katastrophe trotz Friedenstruppen in Zentralafrika

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Im Dezember 2013 sah sich Frankreich wieder einmal gezwungen, in einer seiner ehemaligen Kolonien einzugreifen. Präsident Francois Hollande
kündigte eine “schnelle und wirksame Operation “ an, durch die Angreifer entwaffnet, Stabilität und Sicherheit wieder hergestellt werden sollten. So dass, wenn die Zeit gekommen sein wird, freie und pluralistischen Wahlen möglich werden.
Wirklich Frieden stiften konnten die französischen Soldaten bisher nicht. 1.600 Mann hat Frankreich geschickt, knapp 6.000 kommen aus afrikanischen Staaten. Kenner der Szene sagen aber, mit weniger als zehntausend Mann hätten Friedenstruppen in dem großen Land gar keine Chance. Als “befriedet” kann man vielleicht die Hauptstadt Bangui ansehen. Doch selbst hier hört man gegensätzliche Meinungen von den Leuten auf der Straße, die eine begrüßen, die anderen kritisieren den französischen Truppeneinsatz.
Die Meinung, die ein Mann in Bangui äußert, hört man häufiger: “Frankreich hat sich zwar für diese Mission entschieden, aber bis heute sieht man nicht wirklich etwas davon. Die Sicherheit ist immer noch nicht in unser ganzes Land zurückgekehrt.”
Das Geschehen rund um den Amtsantritt der neuen Übergangspräsidentin steht exemplarisch für die unsichere Lage im Lande. Kaum hatte sie ihre nach Versöhnung rufende Antrittsrede gehalten, da wurden wieder Menschen von einem aufgebrachten Mob gelyncht, auf offener Straße abgeschlachtet.
Man kann die Lage als Spätfolge kolonialistischer teile-und-herrsche-Politik ansehen oder auch der Einflußnahme in den folgenden Jahre die Schuld geben. Fakt ist, ethnische, religiöse und soziale Unterschiede wuchsen sich zu blutigen Konflikten aus. In diesem Land rebellierten zuerst die Muslime gegen Bevormundung durch eine christlich dominierte Führung. Dann schlug das Pendel zurück. Jetzt werden Muslime gejagt. 4,6 Millionen Einwohner hat das Land. Eine Million davon ist auf der Flucht. In Bangui drängen sich 400.000 Menschen in einem Lager am Flughafen, andere verbergen sich in den Wäldern. Man mag den Begriff “humanitäre Situation” angesichts von soviel Elend kaum noch aussprechen. Von Menschlichkeit kann keine Rede mehr sein, wenn Menschen unter solchen Bedingungen dahinvegetieren – und ohne Hoffnung auf baldige Besserung.