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Steuern auf Finanzgeschäfte

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Steuern auf Finanzgeschäfte

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Heute kommt die Frage von Paul aus Brüssel:
“Einige EU-Länder arbeiten an einer Steuer für Finanzgeschäfte. Eine erste Version könnte bereits im Mai erscheinen. Was würde das bedeuten?”

Die Antwort kommt von Eric De Keuleneer, Professor für Ökonomie an der Solvay Brussels School of Economics der Freien Universität Brüssel:

“Die Steuer auf Finanzgeschäfte bezieht sich auf Aktien und Derivate auf dem Devisenmarkt. Vermutlich wird sie sehr niedrig ausfallen. Ein Zehntel oder sogar ein Hundertstel Prozent pro abgewickeltem Geschäft. Ziel dieser Steuer ist die Vermeidung bestimmter Formen von Finanzgeschäften, die als zu spekulativ eingestuft werden. Sie könnten den Markt destabilisieren und nützen vor allem Spekulanten und jenen, die diese Geschäfte abwickeln müssen. In jedem Fall wird die Steuer nicht sonderlich hoch sein.

Hinsichtlich der Verwendung gibt es verschiedene Ziele: Wurde vorher davon gesprochen die Einnahmen in die Entwicklung zu stecken, so will man die Erträge jetzt eher für die Staatshaushalte reservieren. Besser wäre allerdings diese Steuereinnahmen zur Stärkung des Finanzsystems aufzuwenden.

Die Infrastruktur der Finanzwelt, das heißt vor allem viele Banken sind noch immer zu schwach. Sie werden nach wie vor vom Staat unterstützt und das heißt vom Steuerzahler. Der Steuerzahler subventioniert die Banken. Momentan könnte das Finanzsystem die Kosten zur Risikominimierung selbst nicht stemmen. Daher wäre die Verwendung der Steuer für diesen Zweck eine gute Sache.

Steuern für Finanzgeschäfte wurden bereits mit unterschiedlichem Erfolg in verschiedenen Ländern eingeführt, so zum Beispiel in Großbritannien, Brasilien oder Italien. Sie erzielen aber vor allem Erfolge auf dem nationalen Markt. Auf dem internationalen Markt wurde ein solches Instrument noch nicht getestet, weil das Risiko der Standortverlagerung von Unternehmen ins nichteuropäische Ausland als zu hoch angesehen wird.”

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