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Gazprom - Opfer, Täter oder Waffe?

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Gazprom - Opfer, Täter oder Waffe?

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In der Krim-Krise gerät Russlands größtes und mächtigstes Unternehmen unter Druck: Innerhalb einer Woche büßte Gazprom rund ein Sechstel des Börsenwertes ein. Das entspricht rund 45 Milliarden Euro Marktkapitalisierung.

Das macht den russischen Staat ärmer – rechnerisch: Er hält eine Mehrheit von gut 50 Prozent der Gazprom-Aktien.

Gazprom, der weltweit größte Gasförderer, ist der größte Arbeitgeber des Landes, unterstützt den russischen Staatshaushalt jedes Jahr mit Milliarden und ist ein wichtiger Devisenlieferant des Landes.

Als wehrloses Opfer eignet sich Gazprom aber nicht:

In der Ukraine kommen 72 Prozent des Importgases aus Russland, in der EU 30 Prozent – davon strömt rund die Hälfte durch die Ukraine.

Nach einer Meldung der russischen Agentur Interfax hat die Ukraine ihre Gasschulden bei Gazprom mit zwei Milliarden Dollar angegeben.

Und es könnte noch dicker kommen: Nach Angaben des Finanzvorstands prüft der Konzern höhere Preise für Gaslieferungen an die Ukraine nach dem ersten Quartal. Erst im Dezember hatte Russland den Gaspreis für die Ukraine gesenkt – um den inzwischen gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowitsch zu unterstützen.

Die subventionierten Energiepreise waren 2010 einer der Hauptstreitpunkte bei Verhandlungen der Ukraine mit dem Internationalen Währungsfonds.

Deutschland importiert große Mengen Rohöl und Gas aus Russland; es ist das bei weitem wichtigste Lieferland. 2013 importierte Deutschland mehr als 31,4 Millionen Tonnen Öl, das sind 34,8 Prozent
der gesamten Einfuhren. Bei den Gasimporten sind es 38,7
Prozent. Bislang gibt es nach Angaben der Bundesregierung aber keine
Anzeichen für drohende Lieferengpässe.

Nach Angaben des deutschen Regierungssprechers Steffen Seibert wird noch im März eine Gazprom-Rechnung an die Ukraine fällig. Hilfen durch den IWF und die EU seien möglich, erste Gespräche noch in dieser Woche geplant, so Seibert.

su mit dpa, Reuters