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Krim-Krise treibt ukrainische Wirtschaft weiter in den Ruin

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Krim-Krise treibt ukrainische Wirtschaft weiter in den Ruin

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Mit einem Preisnachlass für Gaslieferungen aus Russland kann die Ukraine in diesem Jahr wohl nicht rechnen, soviel ist klar. Und: Im Falle von Sanktionen könnte Russland auch den Europäern den Gashahn zudrehen. Russland ist der wichtigste Gaslieferant der
Europäischen Union, das Land verfügt dank der hohen Energiepreise weltweit über die dritthöchsten Devisenreserven.
Arsenij Jazenjuk, seit kruzem Ministerpräsident der Ukraine, versucht zu beruhigen: “Wir werden versuchen, den Hahn in die andere Richtung zu drehen. Russland hat kein Recht, seine bilateralen Abkommen mit der Ukraine zu verletzen. WIr werden finanzielle Mittel finden, um unsere Schulden zu bezahlen. Russland kann Gas nicht als Waffe gegen die Ukraine missbrauchen.”

Es wäre allerdings nicht das erste Mal, wenn der russische Nachbar genau das täte. 60 Prozent des Gases, das Russland nach Europa transportiert, gehen durch Pipelines in der Ukraine. Die Ukraine wiederum bezieht 60 Prozent ihrer Gaslieferungen aus Russland und ist beim Nachbarn derzeit mit mehr als einer Milliarde Euro verschuldet.
Der Dauerstreit mit Russland um
Gaslieferungen und zeitweilig blockierte Pipelines kostet auch die EU-Länder Nerven. Nach der Revolution vom Kiewer Platz Maidan liegt die Wirtschaft des Landes am Boden.

Die ukrainische Währung, der Griwna, bewegt sich von einem Rekordtief zum nächsten, in den vergangenen Monaten hat er um 10 Prozentpunkte nachgegeben. Die Staatsverschuldung der Ukraine liegt bei 43 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, die Weltbank setzt das Investorenvertrauen in die Ukraine auf Platz 137 von weltweit 183 aufgeführten Ländern. Der Chef der größten ukrainischen Investment-Bank, “Dragon Capital”, Tomas Fiala, meint, nach dem Beginn des politischen Wechsels am Freitag vor einer Woche, seien Eurobonds am darauffolgenden Montag um 5 Prozentpunkte gestiegen. Am Montag danach hätten sie erneut um 5 Punkte zugelegt, die Börse sogar um 20 Prozentpunkte. Es sei eine Menge Geld hereingekommen, aber die Krise auf der Krim habe das alles wieder zerstört.

Für Betriebe, die noch exportieren, sind die Tiefststände der Griwna eine gute Nachricht. Für alle anderen, die Mehrheit also, sind sie fatal. Anna Kowalenko arbeitet für eine Modekette für Frauen in der Nähe von Kiew. “Must Have” produziert vornehmlich Alltagskleidung.
“Natürlich liegt es nicht nur an der schlechten Stimmung, dass die Leute weniger kaufen”, sagt sie, “viele Menschen wissen nicht, was morgen geschehen wird, ob sie ihre Löhne bekommen, ob die Lage stabil bleibt. Deshalb sparen sie lieber, anstatt etwas auszugeben.”

Die Ukraine ist einer der größten Weizenexporteure weltweit. Der Preis für Weizen steigt bereits seit Anfang Februar. Die Zuspitzung im Streit um die Halbinsel Krim hat jetzt zu Wochenbeginn den stärksten Preissprung beim Weizen seit 2012 ausgelöst.