Eilmeldung

Eilmeldung

Mars-Besuch als Selbstmordkommando - das Dilemma der Fatwa

Sie lesen gerade:

Mars-Besuch als Selbstmordkommando - das Dilemma der Fatwa

Schriftgrösse Aa Aa

Sie sollen zum Mars fliegen um dort eine Siedlung aufzubauen, finanziert als interplanetarisches Reality-TV-Ereignis. 200.000 Menschen bewarben sich um ein One-Way-Ticket beim Projekt Mars One des niederländischen Unternehmers Bas Lansdorp.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Fatwa, also einer islamische Rechtsauskunft, aus Dubai, komme so eine Reise aber einem Selbstmord gleich und sei deshalb verboten.

Der 21-jährige Khalid Al-Jaaidi aus Dubai ist einer von 1058 noch verbleibenden Kandidaten. Ihn stellt die Fatwa vor ein echtes Dilemma:

“Schon als Kind hat mich das Erforschen und Reisen fasziniert. Aber als ich aufwuchs wurde schnell klar, dass auf der Erde geografisch schon alles entdeckt ist”, so Al-Jaaidi. “Ich bin sicher, dass sie ihre eigenen sehr guten Gründe für die Fatwa hatten, aber ich überlege mir das noch. Es ist etwas, das man bedenken muss.”

Die Behörde für islamische Angelegenheiten in Dubai wurde auf die Sache aufmerksam, weil sich offenbar auch rund 500 Muslime aus Saudi Arabien und den Emiraten beworben hatten.

Direktor und Mufti Dr Ahmed Abdul Aziz Al Haddad: “Falls dieser Mann zum Mars fliegt, der Wissenschaft neue Erkenntnisse bringt und dann wieder sicher auf die Erde zurückkehrt, dann erlaubt die Religion das zweifellos. Sobald der wissenschaftliche Fortschritt dem Menschen aber lediglich Zerstörung und Verdammnis bringt, sollte die Wissenschaft aufhören, in diese Richtung zu streben.”

euronews-Korrespondent François Chignac in Dubai: “Die Frage ist damit, ob die Reise zum Mars echten wissenschaftlichen Wert hat. Falls das nicht der Fall ist, hätte sie zumindest den Wert, die Fantasie anzuregen – etwas, dass in allen Religionen der Welt erlaubt ist.”