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Europa, Deine Brücken!

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Europa, Deine Brücken!

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Erdbeben kann man nicht verhindern. Aber neue Technologien können helfen, zumindest die städtische Infrastruktur, zum Beispiel Brücken, vor dem Schlimmsten zu bewahren.
In Ispra, in einem der Forschungslabore der Europäischen Kommission, simulieren Wissenschaftler solche Erdstöße. Auf die Probe gestellt werden diesmal zwei Brückenpfeiler. Ihre Bauart ist typisch für das der 50-er Jahre, wirkt heute veraltet. In Europa stehen viele dieser Modelle. Ihr Alter macht sie anfällig. “Unser Projekt hat das Ziel, Referenzdaten zu sammeln”, erklärt Artur Pinto Vieira, vom Europäischen Labor für Strukturprüfung. Die Hoffnung des Wissenschaftlers: möglichst viele Brücken und Viadukte in der Europäischen Union bewahren.

Im Versuch registriert ein Netz von Sensoren und hochauflösenden Kameras mögliche Veränderungen der Brückenstruktur. Die Auswertung dieser Daten soll helfen, die Auswirkungen von Erdbeben auf Brücken überall in Europa auszuwerten. “Ein Erdbeben dauert etwas 10, 15, 20 Sekunden”, so Martin Poljanšek, ebenfalls Wissenschaftler am Forschungszentrum in Ispra. Dort simulieren er und seine Kollegen ein Erdbeben zeitlich gedehnt, über bis zu fünf Stunden. “Die Verlängerung gibt uns die Möglichkeit, die Entstehung des Schadens im Laufe des Bebens zu verfolgen”, ergänzt Poljanšek.

Im Versuchsaufbau ruht einer der Pfeiler zu Vergleichszwecken auf Kugellagern – er wurde weniger beschädigt. Diese Lager sind eine effektive Möglichkeit, Bauwerke vor Beben zu schützen. Die Auswirkungen auf den Rest der Brücke werden im Versuch in einer “online cyber physical simulation” festgehalten.

Dank der Tests können Poljanšek und seine Kollegen das Modell einer ideal erdbebenresistenten Brücke entwerfen. Denn Brücken älterer Baujahre nachzurüsten, ist teuer. Die Forschungen könnten helfen, Kosten zu sparen und die jeweils optimale Lösung für einen Umbau zu finden.

Erdbebenexperte Fabio Taucer ist zufrieden: “Mit diesem Test konnten wir bestätigen, dass Brücken aus den 50-er und 60-er Jahren hochanfällig für Erdstöße sind. Das gilt vor allem für den wirtschaftlichen Aspekt. Außerdem haben wir herausgefunden, dass die Isolierung der Brücken vom Boden diese ein Erdbeben vergleichsweise unbeschadet überstehen lassen.”

Die Zukunft des europäischen Brückenbestands könnte dank der Forschung in Ispra also rosig aussehen.