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Krimkrieg der Medien

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Krimkrieg der Medien

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Die Arbeitsbedingungen für Journalisten sind derzeit auf der Krim kurz gesagt katastrophal. Es trifft alle Medienvertreter, Ukrainer, Russen, Ausländer. Amnesty International fürchtet eine akute Bedrohung der Pressefreiheit. Am 6. März erlebten verdutze Fernsehzuschauer auf der Krim, wie plötzlich der ukrainische Sender “1+1” abgeschaltet wurde und auf dessen Frequenz ein russischer Kanal sendete. Es war der Tag, an dem das Parlament der autonomen Region für einen Anschluss an Russland stimmte.
Lidia Taran, Nachrichtenmoderatorin des ukrainischen Senders beklagt, dass Einwohner der Krim, die immer noch Bürger der Ukraine sind, um ihr Recht auf objektive Information gebracht würden.
Sie betont, die Journalisten des ukrainischen Senders litten unter dem Druck, der von pro-russischen Aktivisten ausgeübt werde.

Die russische Seite ihrerseits sieht die freien Arbeitsmöglichkeiten russischer Journalisten in der Ukraine durch die ukrainischen Behörden bedroht.
Das russische Außenministerium erklärte am 10.3.,
in Dnipropetrowsk seien sieben russische Journalisten festgenommen worden unter dem Vorwurf, sie seien `nur an gewissen Provokationsthemen´ interessiert. Das wird
´Pressefreiheit in Anführungszeichen´genannt.
In der vergangenen Woche warfen sich ukrainische und russische Journalisten gegenseitig in offenen Briefen “Propaganda” vor. Am 2. März beschuldigten zuerst die Vertreter der vier größten ukrainischen Mediengruppen russischen Kollegen, nicht objektiv zu arbeiten. Zitat: “Wir fordern Sie auf, offen, ausgewogen und objektiv von jedem Ereignis zu berichten, das es heute in der Ukraine gibt, …einen verantwortungsvollen Umgang mit jedem Wort zu pflegen. Wir haben kein Recht, zwischen den brüderlichen russischen und ukrainischen Völkern Feindschaft zu säen durch das Verwenden ungeprüfter Informationen oder durch Verzerren der Realität.”
Am nächsten Tag konterten die Chefs der großen russischen Fernsekanäle. Ebenfalls Zitat: “Mit Blick auf Fairness und Verantwortung möchten wir Ihnen eine ähnlichen Beschwerde zukommen lassen. Lassen Sie uns objektiv und verantwortungsbewusst vorgehen, Worte abwägen und Emotionen zurückhalten….Dann werden wir sicherlich ein objektives Bild der Wirklichkeit zeigen. Das ist für alle das Wichtigste.”

Die Tag für Tag auf Youtube verbreiteten Videos tragen auch nicht gerade zur Verbesserung der ukrainisch-russischen Beziehungen bei. Dieses hier soll einen bulgarischen Journalisten zeigen, der von vermummten Männern geschlagen und mit einer Schusswaffe bedroht wird. Das kann alles Mögliche bedeuten. Da können radikale Aktivisten der einen wie der anderen Seite über einen unliebsamen Reporter herfallen. Es kann genauso gut eine zu Propagandazwecken gestellte Szene sein.