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Mit Venezuela geht es bergab

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Mit Venezuela geht es bergab

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In Venzuela wird protestiert. Nahezu täglich und immer lauter. Der seit rund einem Jahr amtierende Präsident Nicolas Maduro hat dem nur noch Tränengas und Wasserwerfer entgegenzusetzen.

Diese Protestwelle ging von Studenten aus, als im Februar eine Kommilitonin nur knapp einem Vergewaltigungversuch entging. So lautete die erste Forderung: mehr Sicherheit. Denn Venezuela ist zum Land mit ausufernder Kriminalität geworden.

Es handelt sich häufig um eine simple Form von “Beschaffungskriminalität”, denn die Läden sind leer. Auf legale Weise lassen sich die Dinge des täglichen Bedarf bis hin zu Toilettenpapier kaum noch beschaffen. Volkes Stimme bezeugt wütend:

“Stundenlang angestanden. Kaffee und Klopapier waren dann schon alle”, klagt eine Frau und der Mann hinter ihr schimpft: “Kein Kaffee, kein Mehl, kein Speiseöl, keine Butter, keine Cornflakes. Das sind doch Grundnahrungsmittel, keine Luxuswaren. Das ist nicht normal.”

Hugo Chavez, der das Land auf seine charismatische Art zum “Sozialismus des 21. Jahrhunderts” führen wollte, hatte persönlich seinen politischen Ziehsohn Nicolas Maduro zum Nachfolger bestimmt. Der aber regiert nicht – er reagiert höchstens auf Proteste. Und das immer wieder zu spät. Maduro hält Reden vor Anhängern, deren Beifall ihm sicher ist. Vermeidet es aber, sich ernsthaft mit den Unzufriedenen auseinander zu setzen. Die kommen zumeist aus der Mittelschicht.

Den Ärmsten haben die mit Erdölverkäufen finanzierten Sozialprogramme geholfen. Darum halten sie auch ebenso fest zu Maduro wie vorher zu Chavez. Die einseitig nur auf Erdöl setzende Wirtschaftspolitik hat die Mittelklasse kaputt gemacht. Deshalb gehen diese Menschen jetzt auf die Straße. Aus ihren Reihen kommen die neuen Oppositionsführer. Es ist eine Schicht, die sich nicht wie die Ärmsten mit materiellen Leistungen zufrieden gibt. Es sind viele gebildete Leute darunter, die auch Wert auf ihre Bürgerrechte legen. Für sie ist Maduros Politik eine einzige Katastrophe.