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Vincent van Gogh: "In den Selbstmord getrieben"

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Vincent van Gogh: "In den Selbstmord getrieben"

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1947 wurde der französische Dramatiker und Theater-Theoretikers Antonin Artaud aufgefordert, einen Artikel über den Maler Vincent van Gogh zu schreiben. Artaud nahm an und zeichnete ein ganz neues Bild des vermeintlich etwas irren Niederländers. Der sei mit seinen Werken einigen gewöhnlichen Zeitgenossen auf die Füße getreten, weshalb diese ihn letztlich in den Selbstmord getrieben hätten. Nun ist am Pariser Musee d’Orsay unter dem Titel “Der Selbstmörder durch die Gesellschaft” eine Melange aus Werken van Goghs und den Kommentaren Artauds zu sehen.

Kuratorin Isabelle Cahn: “Der Text Artauds ist sehr interessant, denn er widerspricht den gängigen Vorstellung über van Gogh. Besonders widerspricht er der Diagnose, dass van Gogh verrückt gewesen sei. Artaud schrieb, nein, van Gogh ist nicht verrückt, er wurde in einen Verzweiflungs-Selbstmord gestoßen von einer Gesellschaft, die seine Werke ablehnte.”

Artaud gab dem van-Gogh-Psychiater Paul Gachet die Hauptschuld am Suizid des Malers, denn der Arzt behandelte den Künstler nach dessen Krankenhausentlassung weiter. Artaud glaubt, der Doktor habe van Gogh nicht geholfen, sondern ihn in den Abgrund getrieben. Die Kuratorin sagt, Künstler stünden in der Gesellschaft unter großem Druck.

Cahn: “Ich denke, die Gefühle, die wir mit uns herumtragen, sind menschlich, das ist keine Angst. Die Künstler tragen unsere Angst und die Angst der Gesellschaft zu ihrer jeweiligen Zeit, dadurch können wir die jeweiligen Sorgen entdecken. Aber sie zeigen uns vor allem, wie wir diese Ängste durch Kunst überwinden können, das ist eine große Hilfe. Unsere Sorgen und Fragen sind einfach menschlich und wir müssen sie in der schönstmöglichen Form zeigen, und Künstler helfen uns dabei.”

Van Goghs Leidensweg ist die gesamte Ausstellung über deutlich zu erkennen. Insgesamt 55 Werke und Briefe sind zu sehen, von den Raben über dem Weizenfeld, den Sternen über der Rhone bis hin zum Garten des St. Paul Krankenhauses.