Eilmeldung

Eilmeldung

Was geht noch diplomatisch zwischen USA und Russland?

Sie lesen gerade:

Was geht noch diplomatisch zwischen USA und Russland?

Schriftgrösse Aa Aa

Man könnte meinen, der schon tot und begraben geglaubte Kalte Krieg sei wieder aus der Grube gekrochen. Erst ging es um Syrien, jetzt heizt auch der Konflikt um die Ukraine die Spannungen zwischen den USA und Russland wieder an.
Die beiden Außenminister John Kerry und Sergej Lawrow sahen bei ihren letzten Treffen reichlich angespannt aus. Am Freitag treffen sie sich wieder. Diesmal in London. Es wird ihr viertes Treffen innerhalb einer Woche. Beobachter vergleichen dieses endlose Hin und Her inzwischen mit einer Schachpartie. Am Montag sah es wieder nach ansteigenden Spannungen aus. Und nach sinkenden Chancen für einen konstruktiven Dialog. Im russischen Fernsehen war ein Gespräch zwischen dem russischen Präsidenten Putin und seinem Außenminister Lawrow zu sehen. Dabei sagte Putin: “ Ich bitte Sie, entsprechend dem Antrag der amerikanischen Seite, Außenminister Kerry, nach Russland einzuladen, um diese Konsultationen fortzusetzen.” Außenminister Sergej Lawrow antwortete: “Er hatte grundsätzlich zugestimmt, rief mich aber am Samstag an, um die Reise zu verschieben.” Zwei Tage später macht sich nun der amerikanische Außenminister nach London auf, um dort mit seinem russischen Amtskollegen zusammen zu treffen. Nicht in Moskau. Darauf hatte Präsident Obama bestanden, wie Kerry erklärte.
Nach Putins Rückkehr in den Kreml sah das russisch-amerikanische Verhältnis zunächst recht entspannt aus. Obama hatte sich in seiner ersten Amtszeit sehr um gute Zusammenarbeit mit Putins Statthalter Dimitri Medwedew bemüht. Seine Außerministerin Hillary Clinton trug das ihre dazu bei. Da wurden vor laufenden Kameras Scherze gemacht, Clinton ließ sich öffentlich von Lawrow erklären, dass ihre Experten перегру́зка-“Überlastung” auf den Startknopf geschrieben hatten statt перезагру́зка-“Neustart”. Wie zumeist in solchen Scherzen findet sich auch in diesem eine tiefere Wahrheit. Lawrow und Clinton wollten die Beziehungen von zu sehr belastenden Spannungen befreien. Diese Aufgabe hat nun auch Clintons Nachfolger Kerry. Nur sind die Zeiten leider wieder härter geworden, die Beziehungen arg belastet – wenn nicht gar überlastet. Eben перегру́зка.