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Bioplastik aus Algen und Abfall


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Bioplastik aus Algen und Abfall

Einmal benutzt, und schon landen sie auf dem Müll, beziehungsweise in freier Natur. Das ist das große Problem mit Plastikflaschen, eine stetig wachsende Altlast. Jedes Jahr werden rund 20 Millionen Tonnen Kunststoff zu Einwegflaschen verarbeitet. Diverse Forschungsprojekte suchen nach einer Alternative zu dem aus Erdöl hergestellten Plastik.

Im Biologischen Forschungszentrum in Madrid zum Beispiel setzen Wissenschaftler auf die Verdauungskraft von Bakterien. Diese sind dazu in der Lage, aus organischem Abfall Polymere zu synthetisieren, die keinen einzigen Tropfen Erdöl enthalten, reines Bioplastik also.

Auxiliadora Prieto und ihre Kollegen züchten die Bakterien im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts Namens SYNPOL (“Biopolymere durch Synthesegas-Fermentation”) mit dem Ziel, diverse Abfallfraktionen zu hochwertigen Bioprodukten zum Beispiel Biokunststoffen zu konvertieren. “Diese Bakterien sammeln Bioplastik in Form von Granulat an, das wir durch verschiedene chemische Prozesse extrahieren”, erläutert Auxiliadora Prieto

Die Wissenschaftler interessieren sich nicht nur für die Forschung im Labor, sondern auch konkrete Anwendungsmöglichkeiten in der Industrie. In mehreren Projekten wird derzeit die industrielle Herstellung von Bioplastik getestet.

Nicht nur aus Abfällen kan man Bioplastik herstellen, sondern auch aus Algen. In dieser niederländischen Testanlage laufen die Versuche auf Hochtouren, ebenfalls im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts namens SPLASH. Das Wissenschaftlerteam um Lolke Sijtsma befasst sich mit einer einzelligen Grünalgenart, die imstande ist, große Mengen Zucker und Kohlenstoff zu produzieren, also die Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion.

“Der Grund, warum wir uns auf Algen konzentrieren, ist ihre hohe Produktionsfähigkeit”, erklärt Lolke Sijtsma. “Sie verwerten Sonnenlicht, Kohlendioxid und bestimmte Mineralien auf äußerst effiziente Weise. Außerdem kann man Algen an Orten anbauen, an denen kein landwirtschaftlicher Anbau möglich ist, sie stünden also nicht Konkurrenz zum Lebensmittelanbau. Deswegen ist es wichtig, dass wir bei diesem Projekt zur Herstellung von Bio-Polymeren auf Algen setzen.”

Mithilfe eines speziellen, von der niederländischen Firma Avantium entwickelten Verfahrens, wird der Algenzucker in Polymermoleküle umgewandelt. Das ist der Ausgangsstoff für die Herstellung von Plastikflaschen. Die Firma produziert schon heute einen Kunststoff auf hundertprozentiger Pflanzenbasis (PEF). Dem Entwickler zufolge ein wesentlich umweltfreundlicheres Produkt als beispielsweise das handelsübliche PET.

Ed de Jong, Avantium: “Bei diesem Material wird 70 Prozent weniger Kohlendioxid erzeugt. Und wir versenden deutlich weniger nicht-erneuerbare Energiequellen. Es ist nachhaltiger als herkömmliches Plastik, auch die Eigenschaften sind wesentlich besser.”

Das Potenzial für Bioplastik ist enorm, sagen die niederländischen Hersteller. Der Markt für Plastik aus nachwachsenden Rohstoffen wächst schnell. Die globale Produktion an Bioplastik könnte bis zu 10 Millionen Tonnen erreichen, als Alternative zu den bisher üblichen Kunststoffen aus Erdöl.
Wahrhaft biologisch und gut zur Natur wären sie allerdings erst dann, wenn sie sich vollständig kompostieren ließen.

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