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Wilders hetzt gegen Marokkaner

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Wilders hetzt gegen Marokkaner

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In den Niederlanden haben verbale Attacken des Rechtspopulisten Geert Wilders gegen Marokkaner nach der Kommunalwahl Entsetzen ausgelöst. Führende Politiker und Bürger warfen Wilders am Donnerstag Hetze und Rassismus vor. Wilders hatte die Menge gefragt: “Wollt ihr mehr oder weniger Marokkaner hier in den Niederlanden?” Und die Menge hatte skandiert: “Weniger, weniger.” Darauf meinte Wilders: “Das werden wir dann richten.”

Marokkanische Organisationen und auch zahlreiche Bürger erstatteten Strafanzeigen gegen den Politiker. Eine Frau meint: “Ich hätte gerne gesehen, wie er das gerichtet hätte.”

Auf den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook reagierten zehntausende Menschen. Marokkaner hielten ihre niederländischen Pässe hoch und sagten: “Wir sind hier geboren”.

Bei den Kommunalwahlen war die Wilders-Partei nur in Den Haag und Almere angetreten. In Den Haag wurden die Rechtspopulisten zweitstärkste Fraktion, in Almere bei Amsterdam verbuchten sie wie schon 2010 einen Sieg.

Wilders Fragestellung erinnerte einige an die berühmte Sportpalastrede des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels, der 1943 mit einer ähnlich formulierten Frage zum “Totalen Krieg“ aufgerufen hatte. Der so kritisierte Wilders nannte den Vergleich mit Goebbels “widerlich”. Auch der Historiker Friso Wielenga nannte die Parallele überzogen. “Ich finde, Goebbels hat schon eine andere Qualität”, sagte der Direktor des Zentrums für Niederlande-Studien an der Universität Münster der Nachrichtenagentur dpa. “Lassen wir die Kirche mal im Dorf.” Wilders sei kein Antisemit. Er habe aber die Grenze zum Rassismus überschritten.
Aus Protest gegen die Hetzkampagne trat auch ein Abgeordneter aus Wilders’ Partei aus. Der Parteiaustritt sei eine Erleichterung für ihn, sagte Roland van Vliet, der jetzt als unabhängiger Parlamentarier weiter Politik machen möchte.